Was der Bauer nicht kennt, isst er nicht. Das ihm dadurch ungeahnte Genüsse entgehen, ist ihm nicht klar. Was er nicht weis, macht ihn wiederum auch nicht heiß. Ich wollte es aber wissen und überredete meine Frau und ein befreundetes Pärchen zum Sushiessen. Ich war, und bin, kein Fischesser, geschweige Denn einer der rohen Fisch isst. Für mich und meine Frau sollte es eine Premiere werden. Mit einer sachkundigen Begleitung konnte es ja auch schließlich kein Problem sein. In Stuttgart am Rotebühlplatz gab es ein solches Sushirestaurant und ich hatte mir schon einmal die Nase am Schaufenster platt gedrückt um ihn Erfahrung zu bringen was da drin für seltsame Dinge vor sich gingen. Als leidenschaftlicher China- und Thaigourment war ich überzeugt vor mir einen weiteren Tempel der asiatischen Kochkunst zu bestaunen. Alles clean und sehr hell. Anziehend. Ich wollte es probieren. Wir also rein und an diesem Förderband Platz genommen. Das ein orangees Tellerchen fünf Euro kostet, hatte ich, als Schwabe, sofort erkannt. Also höchstens ein Schwarzes. Kostet nur drei Euro »fömfzig«. Die Tellerchen und darauf die angerichteten »Dinge«. zuckelten auf dem Förderband vorbei. Ca. zehn Minuten dauerte es bis man das vorhandene Repertoire an sich vorbei ziehen hat sehen. Ich nahm mir ein Tellerchen, schwarz, von eben jenem Förderband und stülpte die Glasglocke ab. Fisch. Purer Fisch. Ich stocherte in und pickte an meinem Lachsreisbällchen herum und probierte ein kleines Stückchen davon. Schmeckte nicht. Also mit meiner Frau getauscht. Sie hatte sich Thunfisch streifen mit Reis genommen. Auch hier. Enttäuschung bis hin zum Würgereiz. Völlig nieder geschmettert durch diesen Kulturschock und dem Fischgeruch, der in Nuancen zu mir herüber wehte, harrte ich der Dinge und zog eine beleidigte Miene, bis wir gingen, Danach musste ich zunächst beim Schachtelwirt mich selbst bestätigen, daß ich noch etwas essen konnte. Nicht daß es mir auf ewig den Appetit verschlagen hätte.

8 Kommentare
FaiSushi in Stuttgart ist total überteuert. Im übrigen ist es relativ einfach auch selbst zu machen…
Soso, sag bloss du isst gerne und oft Sushi? Btw. ich war heute beim Chinesen um mich zu überzeugen das ich noch asiatisch essen kann.
die Uebersetzung von Sushi lautet ja auch Afterschweiss, nur will das keiner wissen
Ich esse gerne und häufig Sushi. Und wenn ich etwas nicht leiden kann, dann diese RunningSushis mit dem Förderband. Ausserdem klingt es verdammt teuer: Um zwei schwarzes Tellerch bekommt man hier ein komplettes Menü. Serviert. Ohne Förderband.
Vielleicht auch in eine andere Stadt fahren dazu
Oh Gott wer isst den schon freiwillig Afterschweiß
Der Sushi-Einstieg will wohlüberlegt sein.
Es sei jedem ans Herz gelegt, in ein “richtiges” Restaurant zu gehen wo man vielleicht etwas warten muss, aber dafür frisch zubereitete Ware bekommt.
Wer unbedingt zum Fließbandfischverkäufer gehen will der sollte sich überlegen, wie viele Runden das unter seiner Nase zirkulierende tote Tier schon auf der Uhr hat. Einen Sushimann der sich auf seinem Stuhl schlafend von seinen Kreationen umkreisen lässt (gesehen in Karlsruhe) sollte man unbedingt in Ruhe weiterschlafen lassen.
Letztens musste ich mit Entsetzen feststellen, dass es jetzt bei Nordsee (!) Sushi gibt. Aus der Kühltheke. In der Plastikbox. Bei der Vorstellung allein krieg ich schon Pickel
ich finde es ist praktisch dass es in der Nordse jetzt auch sushi gibt. so kann man für einen kleinen preis ein relativ abwechslungsreiches tellerchen bekommen und so erstmal feststellen ob das überhaupt was für einen ist
Die Leute, die sich beim Gedanken an Nordsee-sushi die Haare raufen, sollen sich nicht so anstellen. =P Schön, wenn man Zeit und Geld hat, das Essen als Kunst und Zeremonie zu zelebrieren - aber ein unkompliziertes Bento für relativ wenig Geld für die gehasteten Seelen mit Japan-Heimweh ist doch kein Verbrechen. Sushi in der Plastikbox gibt es auch in Tokyo an fast jeder Straßenecke und ich habe noch keinen Boykott dagegen gesehen!