Man hört ja so einiges über die »Inselaffen«. Manch einer hat noch viel schlimmere Ausdrücke parat. Besonders das deutsche Volk scheint eine besonders gespannte Beziehung zu den Briten etabliert zu haben. Und das nicht erst seit dem Irak-Krieg. Ich muss zugeben dass ich mit Vorurteilen dieses Land besuchte. Zwei Nächte sind nicht wirklich ausreichend um sich ein Bild von Groß Britannien schaffen zu können. Dennoch hat es meine Vorurteile nicht bestätigt. Im Gegensatz zu uns Deutschen empfand ich das Klima in der Underground und auf der Straße um einiges herzlicher. Rempelt man aus versehen jemand an, entschuldigt sich dieser bei einem. Obwohl in keine Schuld trifft. Die meisten Sätze die ich mit den Londonern wechselte fingen mit »Sorry« und »Excuse me« an. Untereinander führen sich die Briten ebenfalls besonders herzlich auf. So konnten wir Szenen in einem Pub beobachten die in Deutschland nur im stark alkoholisierten Zustand denkbar wären. Da spielte es auch keine Rolle ob jemand Schwarz, Asiate oder rotschopfiger Brite war. Der hohe Ausländeranteil ist in Groß Britannien Fakt. Er ist höher als in Deutschland. In London spielte es aber absolut keine Rolle wer welche Hautfarbe oder welchen Glauben hat. In der Innenstadt geht es weit friedlicher zu als auf der Königsstraße in Stuttgart. Lautes Reden oder gar Grölen kommt nicht vor. Dieses angenehme Miteinander wird allerdings von der exzessiven Kameraüberwachung die in London herrscht überschattet. In der Underground hat kein Zug Graffiti an der Wagenwand. Nirgendwo liegen Obdachlose – die jede Stadt hat. Alle paar Meter hängt eine Videokamera von der Decke und starrt einen an. Ich fühlte mich in diesen Tagen ständig beobachtet. Selbst beim Klettern über einen Zaun hatte ich das Gefühl, gleich kommen die Bobbys um die Ecke und nehmen einen mit in den Tower of London. Sowieso habe ich den Eindruck dass die Engländer so einiges mit sich machen lassen – wohl wegen den vergangenen Bombenanschlägen der IRA. So fragte mich ein Werbeschild in der District-Underground was ich lieber hätte. Meine Fernsehgebühren bezahlt oder einen Gerichtstermin. Man stelle sich vor die GEZ würde mit solchen Methoden den Menschen ins Gewissen reden. Das gleiche gilt für Schwarzfahrer. Auf einigen Plakaten an den Underground-Stations werden mit Statistiken geprahlt wie viele Menschen beim Schwarzfahren erwischt wurden und wie viel sie Strafe zahlen mussten. An jeder Kreuzung gibt es Fußgängerüberwege. Dort ist auf den Teer geschrieben »Look left« oder »Look right«. Ein anderes Plakat in der Underground erklärte mir das jeden Tag zwei Schüler im Londoner Straßenverkehr verletzt oder getötet werden.
In ganz London Central gibt es so gut wie keine Parkplätze. Dennoch ist der PKW- und Busverkehr in der Innenstadt gestattet. Eine Fußgängerzone ist weitgehend unbekannt. Die Jugendlichen machen es sich zum Spaß völlig überteuerte Stretch-Limousinen zu charten, die sich dann in langen Schlangen am Picadilli Circus wieder vereinen. Hauptsache man sieht und wird gesehen – und sei es grölend (eine Ausnahme!) an einem Autofenster hängend. Ebenso chick ist es in einem der zahlreichen Strarbucks-Cafes aus dem Schaufenster zu starren. Trotz Novemberkälte tragen junge Frauen kurze Röcke und tiefe Ausschnitte. Am Rücken und am Dekolleté. Oder man trägt wenig kleidsame Ganzkörperschaals. Darunter Jeans und darüber wiederum Indianerstiefel – furchtbar. In der Underground trägt man gern iPod. Aber nur in der Nähe von London Central. In der Gegend in der wir übernachteten sollte man sich mit weißen Kopfhörern nicht zeigen lassen. Im Nachhinein fällt mir auf das wir die Einzigen waren die nach 22 Uhr auf den Straßen von Barking – bei den Docklands – unterwegs waren. Am letzten Sonntag hörten wir sogar drei Schüsse fallen. Aber was erwartet man schon für ein Hotelzimmer das 40 Pfund für zwei Personen zwei Nächte kostet.
In der kurzen Zeit in der ich in London war hatte ich nicht viel Gelegenheiten Sightseeing zu machen. Aber was ich gesehen habe, und für gut fand, kann ich empfehlen. Eine Fahrt auf der Themse bei Nacht ab dem Tower of London Richtung Westminster. Jeder der den Apple Store besuchen will, dem empfehle ich mit der Underground zum Oxford Circus zu fahren und dann die Regent Street hinunter zu laufen. Der Apple Store ist dann gleich auf der rechten Seite.

10 Kommentare
Jo, ich war auch vor kurzem in London und kann so ziemlich alles bestätigen. Zum Thema Anschläge: Es ist sauschwer, in London einen öffentlichen Müllereimer zu finden. In der Underground gibts nirgends einen. Als wir dann einen der dort rumlaufenden Polizisten fragte, wohin mit dem Müll, meinte der, wir sollten ihn einfach an den Rand stellen, das würde weggeräumt…
Was ich empfehlen kann ist eine Jack the Ripper tour. Das hört sich zwar kitschig an, ist es aber gar nicht. Der Mensch, der uns herumführte, war son echter Londoner und konnte uns halt auch einfach so viel erzählen, zB über “London penis”.
London penis? Ich bitte um Aufklärung
Mich würde eher mal den Preis des Kurztrips interessieren.
Wie im Artikel schon geschrieben, haben die beiden Übernachtungen 40 Pfund gekostet. Dazu kommen noch 160 Pfund für Bus-, Taxi-, Bahn- und Spesen-, und Verpflegungskosten. Der Flug selber hat 90 Euro Hin und Zurück gekostet.
Also ca. 346 Euro. Eine Reise im Wert eines iPod - um beim Thema zu bleiben.
Sind Apple-User die BMW-Fahrer der IT?
Haben Apple-Käufer etwa einen kleinen Penis?
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/18/18831/1.html
Hab den Artikel nicht gelesen aber die Überschrift passt zum Thema.
Hm, haste nicht dieses moderne gebäude gesehn, was 1. nicht in das stadtbild passt,
2. aussieht wie ein riesiger penis?
Noch was anderes, am kultigsten fand ich das “mind the gap” an den underground stations.
nicht nur wir, auch die londoner fanden es etwas nervig, was man zB in den ganzen souvenirshops sehen konnte, überall tassen, aufkleber, und sogar tangas mit der aufschrift “mind the gap” bzw. “fuck the gap”
Ist es etwa dieses Gebäude? Es steht neben der Tower Bridge auf der anderen Uferseite gegenüber dem Tower of London.
Lol, nein, das was ich meine steht auf der anderen seite des flusses. wenn du die kamera 90° nach rechts drehst, siehstes. Vll schau ich, ob ich nen bild finde.
nur eine anmerkung:
der ausländeranteil ist in grossbritannien mitnichten grösser als in Deutschland.
Er liegt unter 6%, während er in Deutschland bei 9% liegt.
Was du meinst, sind keine Ausländer, sondern Briten ausländischer Herkunft(oft aus Commonwealth Staaten), die irgendwann eingebürgert wurden. Dann könnte es hinkommen, wenngleich ich da keine zahlen vorliegen habe über den Anteil eingebürgerter Ausländer in Deutschland und Grossbritannien.
Prinzipiell gilt: Brite ist, wer einen britischen Pass besitzt, Deutscher, wer einen deutschen Pass besitzt.
Mfg,
paulsen
in groß britannien sind viel mehr ausländer als in deutschland, viel mehr hier gibts es zwar türken und russen dort gibt es doppelt so viele pakistaner/inder.