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Der grobe Unterschied - komprimiert.

July 02, 2008

Es ist kein gewöhnlicher Urlaub den ich hier mache und es ist auch nicht mein erster Besuch im sunshine state. Ich bin zwar auch Tourist, aber keiner der hier die Sehenswürdigkeiten verschlingt, wie die Japaner, mit ihren Fotoapparilos wie Maschinengewehere, oder die anderen Deutschen mit viel zu kurzen Hosen.Ich beobachte und versuche für mich herauszufinden, ob die amerikanische Westküste ein Ort für mich zum Leben und Arbyten sein kann.Jetzt bin ich seit einigen Tagen hier und habe einige interessante Eindrücke mitgenommen. dscf0006.jpgDie atemberaubende Landschaft für sich, wäre allein schon ein Grund hierher zu ziehen. Was mir noch aufgefallen ist:

  • Ohne Auto ist man in Kalifornien so ziemlich aufgeschmissen. Das normale Leben eines jeden Amerikaners hier, spielt sich größtenteils im Auto ab. Es gibt zwar riesige Supermärkte, wie man sie sich vorstellt, aber diese sind trotz ihrer größe meistens spezialisiert. Einen “Real”, bei dem es alles, wirklich alles gibt …gibt es nicht.Man fährt mit seinem Auto wirklich von einem Supermarkt, bzw. Spezialmarkt zum anderen. Ausnahme bilden hier die gewaltigen Malls, aber da kommt man auch nur mit dem Auto hin.Ohne Auto kann man nicht einkaufen oder sieht ziemlich dämlich dabei aus.
  • Ohnehin haben die Amerikaner eine interessante Beziehung zu ihrem Auto. Hauptsache Groß und egal wie laut. Kleine, oder gar sparsame Autos sieht man allerhöchstens im Silicon Valley - aber da wohnen ja eh nur verrückte Millionäre (Chinesen, Inder und Deutsche).Wie bei uns treffen sich die Jungs von der Tankstelle nicht an der Tankstelle, sondern cruisen Tag ein Nacht aus mit ihrem Auto - egal wie schrottig, dafür aber mit “shiney new custom wheels” durch die Hauptstraßen. Mitunder ziemlich Grotesk an einem uralten, rostigen El Camino neue 25″ Chrom-Felgen zu sehen.
  • Ohne TÜV haben die Amerikaner auch keine Probleme mit so alten Autos auf der Straße. Nur Lichter müssen dran sein, eine Windschutzscheibe und Platz für ein(!) Nummernschild.Da es auch keine Beschränkung der Lautstärke für Autos gibt, fliegen einem manchmal an der Ampel einem fast die Ohren weg, wenn neben einem ein Chopper steht, der bei jeder Zündung knallt.
  • Generell scheint die Umwelt hier nicht sehr viel zu zählen, oder ich setze falsche Maßstäbe an. Durch die generelle Geschwindigkeitsbegrenzung sind die amerikanischen Autos, trotz gigantisch dimensionierter Hubräume, vergleichbar sparsam wie unsere Autos in Deutschland. Würden die Amis aber auf globige Pickups oder bullige Sportwagen verzichten, dann könnten sie noch wahnwitzig viel Sprit sparen! Aber hier kostet die Gallone Normalbenzin auch nur US$ 4,57 - wer macht sich also großartig Gedanken dazu?Das gleiche gilt für den Wohnungsbau. In Sunnyvale habe ich mir eine Baustelle angeschaut. Das komplette Haus - btw. ein sehr schönes Haus - wird aus Holz gebaut. Kein gemauerter Keller, keine gemauerten Wände. Ein deutscher Zimmermann hätte seine wahre Freude daran.Aber dass dann jedes Haus auch eine Klimaanlage braucht, verwundert dann auch kaum. Was verwundert sind die Preise für Eigenheime hier. Ein kleines (Holz-)Haus mit zwei Schlafzimmern kostet hier eine wahnwitzige halbe Million Dollar. Wie kann man sich sowas leisten, ausser auf Pump?
  • Wie Simon, der schon einen weit größeren Einblick in die amerikanische Kultur hat, und mir ggü. richtig angemerkt hat, ist der Qualitätsanspruch der Amerikaner sehr, sehr gering.Die Verarbeitungsqualität amerikanischer Autos ist schrecklich schlecht. Obwohl ich für den Ford Mustang geschwärmt habe, würde ich mir jetzt nach eigener Erfahrung kein amerikanisches Auto zulegen.
  • Keine Bäcker! Und wenn, dann nur mit süßem Kuchen! Schrecklich. Für mich als Exilschwabe ist es in Berlin schon schwierig ein ordentliches Laugenbrötchen oder eine Brezel zu bekommen. Hier gibt es gar nichts, nicht einmal ein Baquette, dass den Namen auch verdient.Anders sieht’s damit in New York aus. Prezels und Baquettes Haufenweise.
  • Es gibt aber auch Gemeinsamkeiten. Die Amerikander fummeln bei McDonnald’s, wie wir deutschen, ebenfalls die kleinen Gürkchen von ihrem Big Mac. Sehr sympatisch.
  • Sehr positiv ist auch die Eigenschaft der Amis, absolut keine Berührungsängste gegenüber Fremden zu haben. Wie oft bin ich nur durch herum stehen schon mit Leuten ins Gespräch gekommen! Das ist wunderbar! Da können sich die Deutschen locker ein, zwei Scheiben abschneiden.
  • Hier scheint auch nie jemand in Eile zu sein. Im Straßenverkehr wird - meistens - Rücksicht aufeinander genommen. Die Stop-Schilder-Kreuzungen, bei denen der erste der stehen bleibt, weiter fahren darf, funktionieren wunderbar - in Deutschland undenkbar.

Alles in allem, ein lebenswertes Land. Die Unterhaltskosten sind an der Westküste vergleichbar hoch. Es gibt aber ein zwei Plätzchen die man sich ab der Rente leisten kann - übrigens riesen Thema bei den Amerikanern gerade.

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