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Alan Turing

January 21, 2008

Die Serie zur Klärung der Computer-Geschichte geht weiter. Heute schreibe ich über einen wichtigen Begründer der Computerwissenschaften. Alan Turing.

Alan TuringAlan Turing ist einer der Väter des heutigen Informationszeitalters und der Erfinder der ersten esoterischen Programmiersprache. Er erfand in seiner Karriere als Informatiker und Mathematiker u. a. die Turing-Maschine und half bei der Entschlüsselung der Enigma, das maßgeblich dazu beitrug eine Wende im zweiten Weltkrieg, zu Gunsten der Alliierten herbei zu führen. Alan Turing wurde 1912 in London geboren. Er hatte einen älteren Bruder. Sein Vater Julius Mathison war in der damaligen indischen Kolonialverwaltung tätig. Seine Mutter Ethel war die Tochter des leitenden Ingenieurs der Madras-Eisenbahn Gesellschaft. Eine Familie der oberen Mittelschicht.
Mit dem Alter von einem Jahr wurde Alan und sein Bruder John von den Eltern in England zurück gelassen, da sie in Indien geschäftlich zu tun hatten. Die beiden Brüder kamen in die Obhut eines pensionierten Colonels und seiner Frau. Zu dieser Zeit war es üblich die eigenen Kinder, für eine längere Zeit, Verwandten, Bediensteten oder einem Internat anzuvertrauen.
John machte dieser Umstand nichts aus, jedoch nahm sein Bruder Alan psychischen Schaden. Er fing an zu stottern und wurde zum exzentrischen Eigenbrötler. Er hatte Probleme mit Etiquette und gesellschaftlichen und sozialen Gepflogenheiten. Da Alan ein Problemkind war kam er vom Haus des Colonels ins Internat. Er hatte stets tintenverschmierte Finger und war sonst auch ziemlich schmuddelig. Er fand keine Freunde und wurde wegen seinem Stottern von den anderen Kindern gehänselt. Bis zu seinem achten Lebensjahr konnte Alan noch nicht richtig Lesen und Schreiben. Er konnte dem Unterricht nicht folgen und versank in seine Gedanken. Als er die Faszination von Büchern kennen lernte, brachte sich Alan das Lesen und Schreiben innerhalb von drei Wochen selber bei. Mit elf entwickelte er eine Leidenschaft für die organische Chemie. Alle anderen Fächer interessierten ihn nicht. Er konnte seinerzeit nicht mal eine etwas schwerere Divisionsrechnung machen. Alan war als Kind sehr schwierig. Er lernte nur Dinge für die er sich wirklich interessierte.
Als die Eltern nach zehn Jahren Indien verließen, liesen sie sich in der Bretagne nieder um dem englischen Finanzamt zu entgehen, da sonst ihr Geld für die Public School für Alan nicht ausgereicht hätte. Mit Müh und Not ergatterte Alan mit 13 Jahren einen Platz an der angesehenen Privatschule in Dorset. Alan wurde den Erwartungen dort nicht gerecht. Sein Stottern wurde nicht besser, zeitweise sogar schlimmer. War schmuddelig und somit wie zuvor in seinem Leben ein Alleingänger. Da er keine Freunde hatte, konnte er sich ganz und gar seinen Interessen widmen. Er entdeckte in Sherborne die Mathematik für sich und las begeistert hoch wissenschaftliche Arbeiten. In allen anderen Fächern wurde er noch schlechter. Er beschäftigte sich mit Einsteins allgemeiner Relativitätstheorie und der erweiterten Relativitätstheorie. Fasziniert von Kryptographie verbrachte er Wochen in der Bücherei und studierte die einzelnen Methoden und ihre Schwachpunkte.
Mit 15 Jahren freundete er sich mit Cristopher Morcom an, seines Zeichens der beste Mathematiker in Sherborne. Alan verliebte sich in ihn, musste jedoch seine Gefühle unterdrücken da ihm sonst die Entlassung von der Public School drohte. Ein schwerer Schlag für Turing war es, als Morcom an Rindertuberkulose starb. Durch seine damals faszinierenden Arbeiten fiel er seinen Professoren zum ersten Mal auf und erhielt dadurch auch die Chance ein Stipendium am King‘s College in Cambridge zu erhalten. Turings Hauptinteresse galt ab diesem Zeitpunkt der Logik der Mathematik.
Alan machte sein Abschlussexamen und schloss mit einer eins ab. Er blieb am King‘s College und wurde zum Fellow ernannt und galt als viel versprechendster Mathematiker in Groß Britannien. Seine anschließende Dissertation wurde mit einem Forschungsstipendium honoriert. Somit war es Alan möglich die neusten, und für ihn äußerst faszinierenden, Entwicklungen in Mathematik und Naturwissenschaft zu verfolgen.
Als 1938 Hitler in Deutschland die Macht ergriff kamen viele deutsche Wissenschaftler, darunter auch viele geniale jüdische Köpfe, nach Cambridge um dort Vorträge und Forschungen zu halten. Aus dieser Zeit stammt auch das Konzept der Mathematischen Beweisbarkeit.

Turing vertrat die Ansicht das man eine Maschine bauen kann, die jedes mathematische Problem lösen kann, solange es dafür einen Algorithmus gibt. Die Turing-Maschine.

Turing klärte und definierte die zentrale mathematische Begriffe der Berechenbarkeit und berechenbarer Zahlen. Dies war die Grundlage der Maschine. Außerdem definierte er die Grenzen solch einer Maschine.
Die Turing Maschine war eine Art theoretischer Computer oder vielmehr der erste Taschenrechner. Jedoch war sie nicht der erste Computer. Vielmehr baute Konrad Zuse zur selben Zeit seine legendäre Z1 in Deutschland. Leider fiel die Z1 vor der Vollendung einem alliierten Bomberangriff zum Opfer - Ironie der Geschichte. Deswegen gilt die Turing-Maschine als erster programmierbarer Computer vor der Z1.
1937 erschien seine Arbeit in seiner verfassten Abhandlung „On Computable Numbers“. Danach ging er an die Universität Princton um dort zu promovieren. Er lernte dort den Österreich- ungarischen Mathematiker Johann von Neumann kennen der wiederum Turings Leistungen erkannte und ihn förderte. Neumann war der Ansicht das Turing mit seiner Arbeit ein neues Fachgebiet geschaffen hatte. Die Berechenbarkeit. Der nächste logische Schritt war der Bau der Turing-Maschine.
Alan empfand die Staaten als erfrischend und zugleich beruhigend. Er arbeitete zu viel und war oft allein. Er vereinsamte zusehends und begann an Depressionen und Liebeskummer zu leiden. Er lies sich seinen Teddybären von seiner Mutter schicken und sah sich mehrere male Schneewittchen im Kino an. Kurz darauf kehrte er nach England zurück. Trotz seiner zwei Jahre Abwesenheit wurde sein Fellowship am King‘s College erneuert und Alan begann von neuem seine Arbeit aufzunehmen.
1939, brach der Krieg gegen Deutschland aus. Jeder Wehrfähige Mann wurde eingezogen. Turing wurde zum Geheimdienst abkommandiert und wurde Leiter des streng geheimen Dechiffrierteams in Bletchy Park. Jedoch fehlte es Turing an militärischer Disziplin, darum legte er sich oft mit Militärs an, am liebsten mit denen von deren Intellekt er nichts hielt. Er arbeitete oft Tagelang ohne Pausen um verschlüsselte Botschaften Nazideutschlands leserlich zu machen. Aus heutiger Sicht, ohne Computer, ein mathematischer Kraftakt.
Die zweite herausragende Leistung Alan Turings in seinem Leben war, neben dem Erfinden der Turing Maschine auch das Knacken des Enigma-Codes. Die Enigma-Maschine war eine von der deutschen Heeresleitung benützte Maschine um Befehle an ihre U-Boote und Fronttruppen zu schicken. Deswegen war jedem U-Boot befohlen, dass wenn eine Kaperung des Bootes bevorstünde sich selbst zu versenken ehe eine Enigma-Maschine in die Hand des Feindes geraten könne. Weil die Angst der Alliierten vor einer Invasion Nazideutschlands stieg, versammelte die britische Regierung Mathematiker und Elektronikspezialisten in einem Landhaus in Hertfordshire mit dem Namen Bletchley Park. Durch die ungeheure Kompetenz zentralisiert und unterstützt durch die Regierung wurden dort schnell die ersten Erfolge mit einfachen elektronischen Rechenmaschinen, auf dem gebiet der Kryptographie, erzielt. Man baute eine riesige Apperatur namens Collosus. Zunächst aus Relais. Wenn die Maschine das Rechnen begann, lag ein ohrenbetäubende Geräuschkullise über Bletchley Park. Die Leistungen waren für diese Zeit beachtlich. Sie schaffte 2000 Zeichen pro Sekunde. Die nächste Generation aus Vakuumröhren war noch schneller. 2000 zusammen geschlossene Röhren schafften 5000 Zeichen in der Sekunde. Die Regierung lies zehn dieser Collosus-Maschinen bauen mit dem es nun dem britischen Oberkommando möglich war, die Truppenbewegungen der deutschen U-Boote und Fronttruppen vorherzusehen. Die Wende im Krieg war eingeleitet.
Trotz seiner herausragenden Leistungen und seiner Rolle im zweiten Weltkrieg wurde Alan wegen seiner Homosexualität zunehmend geächtet. Die Britische Regierung forderte Alan auf sich einer Hormonbehandlung zu unterziehen, da er ja schliesslich jetzt eine Person im öffentlichen Licht sei. Durch die Behandlung wurden die Depressionen Alans immer gravierender und er beging am 7. Juni 1957, im Alter von 42, mit einem mit Zyanid vergifteten Apfel – ähnlich wie bei Schneewitchen – Selbstmord.

2 Kommentare

Usul ·

Schöner Artikel. Cryptonomicon gelesen? Wenn nicht, Lesetipp.

http://de.wikipedia.org/wiki/Cryptonomicon

lemming ·

Hört sich interessant an. Gelesen habe ich es nicht. Kann es sein, dass sich der Name am Nekronomicon, einer Erfindung von Lovecraft, orientiert?

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