Gestern war ich wie angekündigt bei der IHK zum Thema »RFID« im Haus der Wirtschaft in Stuttgart. Eine Kollegin hatte mich netterweise begleitet.
In der Begrüßung von Herrn Dr. Andriof, Regierungspräsident des Regierungspräsidium Stuttgart, wurde noch auf die Datenschutzbedenken hingewiesen, wurde wohl aber somit abgehakt.
Es folgte der erste Vortrag von Herrn Esslinger von der Firma Leuze electronic aus Owen (Teck) über die Grundlagen von RFID und vergleichbare Etikettierungssysteme wie Barcode und Datamatrix (2D-Code) und über Frequenzbänder die in den USA, Japan und Europa gängig sind. Diese reichen von 125 kHz über 13,56 MHz und 868 bzw. 915 MHz bis hin zu 2,45 GHz. Letzteres also bereits im Mikrowellenbreich. Eine Faustregel ist wohl, je höher das Frequenzband, desto höher die Reichweite. Womit sich 2,45 GHz mit einer Reichweite von bis zu 10m für Mautsysteme, Parkhäuser, Containerladungen usw. »hervoragend« eignet.
Strahlende Aussichten auch bei den anderen Refferenten. Eine richtige Goldgräberstimmung war auszumachen.
So war Herr Rolbeck von der Metro Group sichtlich von seinen Zeitersparnissen in der Transportlogistik begeistert. Und Zitat: »Es wird sich für jeden lohnen«, der auf den fahrenden und wohl immer schneller werdenden Zug mit aufspringt.
Die Metro plant die komplette Logistik über RFID abzuwickeln. Genauer beschrieb er die Phasen 1 bis 3, die die Identifikation aller Transportbehälter innerhalb der Metro Group und seinen Zuliefereren mit RFID in den nächten Jahren möglich macht.
Von Phase 4, der kompletten Etikettierung aller Artikel, hat die Metro Group wieder abgesehen. 1. zu teuer und 2. bestehe bei den Verbrauchern großer Wiederstand.
Allerdings plane man in drei bis fünf Jahren damit zu beginnen hochwertige Artikel mit RFID-Transpondern zu versehen. Aufgehoben ist also nicht Aufgeschoben.
Ernüchternder waren eher die Vorträge von Frau Dipl.-Ing. Veenker, die am Institut für Fördertechnik und Logistik an der Uni Stuttgart Tests mit RFID-Transpondern in Verpackungskisten vorgenommen hat.
Je nach Material konnten die Transponder gar nicht oder mit inakzeptablen Lücken gelesen werden. Z. B. wurde bei einer Anordung mit leeren Tranportkisten eine Fehlerrate von 0,5% festgestellt. Das ist bei 250 Stück eine übersehene Kiste.
Oder bei 250 Büchern in der Bibliothek Stuttgart ein Buch das nicht erfasst wird. Frau Brunner war aber von der Zeitersparnis, die sie in der Stadtbibliothek seit der Einführung von RFID-Transpondern in jedem Buch hat, begeistert. Dass sie sich eigentlich selbst wegrationalisiert, ist der Frau wohl nicht bewusst.
Auf den Transpondern wird nach eigener Aussage nur eine laufende Nummer gespeichert. Weder der Ausleiher noch der Titel des Buches ist über Funk zu erfahren. Das einzige was wohl möglich ist, ist festzustellen dass jemand ein Buch bei sich trägt. Auch nicht über die Kombination mit dem Bibliotheksausweis, da dieser wiederum (Schätzungsweise) nur eine laufende Nummer trägt und über einen Barcode verfügt.
Als dann ein Sprecher von Siemens die Bühne betrat habe ich die Flucht ergriffen, da mir die Folien in den Handouts schon zeigten, dass es sich hier um Managergebrabbel handelt, auf dass ich nicht sehr mag.
Alles in allem war es interessant und zeigt auch die Richtung in die Industrie steuert - Goldgräberstimmung. Mit der Frau Brunner von der Stadtbibliothek würde ich über ihr System, ohne Vorurteile, sehr gerne nochmal reden.

2 Kommentare
Mir ist schon wohler geworden, als ich irgendwo gelesen habe, dass in einem vollen Einkaufswagen nicht alle Waren erkannt werden können. Praktisch ist es aber schon, genauso wie der Zweck die Bücher bei einer Bücherei direkt einlesen zu können, der einzige Unterschied ist doch aber, dass die Bücherei öffentlich ist und der Einkaufswagen von einem kommerziellen Unternehmen gescannt wird, oder?
Es ist doch eher subjektiv. Irgendwie mag ich nicht alle neue Technik, aber praktisch ist sie doch schon.
(Ich hoffe, es kommt überhaupt raus was ich sagen möchte)
Übrigens: Zwei kleine Fehler, die mir aufgefallen sind:
In dem Artikel müsste es heissen Goldgräberstimmung und nicht Golgräberstimmung.
und äh. Du schreibst von einer Fehlerrate von 99,5%. Ich denke es geht eher um 99,5% Genauigkeit, oder? 0,5% würden doch dann eher eine unter 250 Kisten übersehen.
Du kannst dies gerne später wieder löschen.
Hoppla, das ist natürlich Stuss, den ich da schreibe. Die Fehlerrate betrug natürlich ca. 0,5%