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Trainer-Honorar

August 08, 2005

Ich habe gerade beschlossen unter die sogenannten IT-Trainer zu steigen. Durch Zufall flatterte mir gerade eine Rechnung von einem unserer externen Dozenten auf den Tisch. Der Junge hat in nur fünf Tagen über 2000,- Euro von uns bekommen.
Unterrichtet hat er Microsoft Project und Microsoft Powerpoint. Das würde ich so gesehen, auch hin bekommen.
Und bei einer Marge von nahezu 100% würde es mir auch leicht fallen Microsoft-Produkte zu unterrichten.

23 Kommentare

kju ·

Bei dem was ich so mitbekommen habe, ist er damit aber eher einer von der billigen Fraktion.

frank ·

Microsoftprodukte vermitteln – da würde ich deutlich mehr verlangen.

lemming ·

Ok, hast recht. Aber einen Stundensatz von 50 Euro ist doch der Hammer, oder?
Für das bissel Powerpoint da. Und ich nehm gerade mal 11 Euro an der VHS.

lemming ·

Was würdest denn du verlangen, kju? Jetzt mal von der Schmutzzulage Microsoft abgesehen.

lemming ·

Da fällt mir auf, die Google-Werbung die hier seit gestern die Lücken füllt, zeigt nur Werbung solcher Dozenten an. Das Geschäft muss ja brummen.

bluehilltec ·

Ich geh jetzt mal davon aus das der Dozent auch die entsprechenden zertifizierten Kurse von Microsoft besucht hat.
Das geht dann auch ordentlich ins Geld.

Da muss man zwangsläufig soviel verlangen, wobei ich den Preis eigentlich ganz okay finde. Kommt halt drauf an für wie viele Leute die Schulung war. Und wenn die Schulung den ganzen Tag ging …

Marcus ·

Wenn er selbstständig ist, war’s entweder schlecht kalkuliert oder ein Verlustgeschäft für ihn. Oder er war jung und brauchte das Geld oder die Referenz. Oder es war für ihn ein Nebenjob - dann allerdings sind 50 Euro die Stunde wirklich nicht schlecht

lemming ·

Was würdest du denn verlangen Marcus? Ich find’ 50 Euro/h wahnsinnig viel Geld. Ging den ganzen Tag. Fünf Teilnehmer. Eigentlich war es sogar mehr, weil die Schulungen halb 9 anfangen und um halb 5 aufhören.

Marcus ·

Angenommen, er war selbstständig: Dann decken 50 Euro die Stunde i.d.R. nicht einmal die Selbstkosten. Als da wären: Strom, Büromiete, Versicherungen, wiederkehrende Anschaffungs- und Investitionskosten, Weiterbildungen, Leerlauf- und Ausfallzeiten (Krankheit, Urlaub, Wochenende - das Büro, Rechnungen etc. muss ja trotzdem weiterbezahlt werden), Steuerberater, die eigene Wohnung, Lebenshaltungskosten und so weiter… Und nun? Wir leben im Kapitalismus. Da sollte man sich noch trauen, nun auch einen Gewinnzuschlag zu erheben
Wer da 50 Euro die Stunde nimmt, arbeitet wahrscheinlich von zuhause aus, macht das nebenbei oder ist mit dem Auftraggeber sehr eng befreundet. Stundenhonorare sehen nackt betrachtet immer viel aus. Was zählt, ist aber, was übrigbleibt. Ein Angestellter, der beispielsweise umgerechnet 15 Euro die Stunde rausbekommt, kostet seinen Arbeitgeber mehr als das Doppelte. Mit dem Gewinnzuschlag obendrauf kommt man da schnell auf einen Stundensatz von 100 Euro - und der Angestellte wundert sich, weshalb er nur 15 bekommt.

lemming ·

Ich denke schon dass er sein Büro Zuhause hat. Die Schulungsräume haben wir gestellt. Da bleibt glaube ich schon bisschen mehr Marge als 15 Euro. Wieviele Leerlaufzeiten er hat, weiß ich nicht, gehe aber mal davon aus, dass es nicht soviele sind, die er mit Vorbereitungen (Powerpoint lernen) locker ausfüllen kann. Wenn er nur die 5 Tage im Monat gearbeitet hat, dann kommt am Ende wirklich ein Kleckerbetrag raus.

Aber wir sind ja nicht seine einzigsten kunden. Hat er 15 Tage im Monat, an denen Ganztags unterrichtet, dann kommt er trotzdem auf einen Umsatz von 6.000 Euro – und das für einen ziemlich lockeren Job.

Marcus ·

Ja, und jetzt siehst du ja selbst, wie relativ das ganze ist. Rechne jetzt mal Steuern, Versicherungen, Mieten, Akquisitionskosten (wieviel habt ihr ihn gekostet, bis er überhaupt den Zuschlag hatte?), Unternehmerrisiko ab, ziehe Urlaub, Krankheitstage, Sommerloch und »schlechte Tage« ab - und schon bleibt (wenn überhaupt) kaum Gewinn über. Da sind 6k Euro Monatsumsatz nicht mehr als ein Witz, wenn man hauptsächlich selbstständig ist und keine weiteren Einkünfte hat.

Marcus ·

Nochmal zur Veranschaulichung: Stell dir folgende auf einen Monat umgerechnete Fixkosten (in Euro) eines selbstständigen Einzelkämpfers vor. Vielleicht wird es so deutlicher.

Miete 700
Versicherungen 400
Telefon 200
Investitionen 200
KFZ, Reisen 300
Essen 300
Freizeit 200
Sonstiges 100

Fixkosten = 2400 Euro * 12 Mon. = 28.800,00 Euro. Das sind die Kosten, die innerhalb eines Jahres von unserem Einzelkämpfer erwirtschaftet werden müssen, um zu überleben. Kein Büro, keine Steuern, keine Rücklagen, keine Altersvorsorge, kein Urlaub, keine Klamotten, keine Aquisitions- oder Weiterbildungskosten, kein Steuerberater etc. Das ist da alles nicht mit reingerechnet.

Angenommen, der Selbstständige arbeitet 5 Tage die Woche, macht 3 Wochen Urlaub, ist eine Woche krank. Dann kommt er in einem Jahr auf 240 produktive Arbeitstage. Angenommen, er hat eine wirklich gute Auftrags-Auslastung von 55 Prozent. Dann kommt er auf 132 Tage, die er Auftraggebern in Rechnung stellen kann. Er muss also mit einem Minimum-Tagessatz von ~220 Euro rechnen, um überhaupt seine Fixkosten (und nur diese) zu decken. Um Steuern, unternehmerisches Risiko, Akquisitionskosten etc. abzudecken, schlägt unser Selbstständiger darauf 180 Euro auf und kommt so auf 400 Euro Selbstkosten-Tagessatz.

Jetzt möchte er bitteschön auch noch ein klitzekleinwenig Gewinn machen und schlägt 100 Euro drauf. So landet er bei einem Tagessatz von 500 Euro bzw. einem Stundensatz von 62,50 Euro. Und macht damit mit viel, viel Glück, netten Behörden und günstiger Lebenshaltungskosten vielleicht gerade mal 12,50 Euro Gewinn pro Stunde. Und zieht obendrein auch noch den Unmut sämtlicher konkurrierender Mitbewerber auf sich, weil er die Preise kaputtmacht

Kareen ·

Hallo Marcus!

Vielen Dank für deine anschauliche und realistische Erläuterung. So etwas müßte viel häufiger publiziert werden. Die Leute denken häufig, selbständige TrainerInnen verdienen sich locker ´ne goldene Nase.Wieviel Arbeit und Kosten dahinter stecken, um auch nur eine einzige abrechenbare Stunde anbieten zu können ist für Angestellte von allein nicht nachvollziehbar. Hinzu kommen ja bei TrainerInnen wie mir (die keine festen Programme abarbeiten) auch noch Zeiten, in denen eigene neue Angebote/Seminare konzipiert werden, hierfür Fachliteratur gelesen und geschrieben wird…
Trotzdem - ich mache meine Arbeit (Kooperationstraining, Coaching)gern. Und was das Geld angeht, sind Kommentare wie deine echt eine Unterstützung und Argumentationshilfe!

Kareen

AstorX ·

Hallo zusammen, nur ganz kurz zu dem hier: Ich bin seit 10 Jahren Trainer, habe als Student angefangen und mache es jetzt fast hauptberuflich. 50 Euro pro Stunde ist für den normalen Durschnittstrainer ne Menge Holz. Für normale Schulungen fürs Arbeitsamt bekommt ein Trainer ab 20 Euro die Stunde und da gibt es ein Haufen guter Leute, die sich um einen solchen Job schlagen. Natürlich sieht das bei Firmenschulungen anders aus, aber die gibts auch nicht so oft im Angebot! Aber glaubt mir: Ich habe schon von Trainern gehört, die 2000 Euro pro Tag bekommen und die sind auf Monate ausgebucht. Wenn Ihr meine Meinung hören wollt: Das sind nicht immer die besten, aber die können sich verkaufen - und darauf kommt es an. Derjenige der mir solche Firmenschulungen vermittelt, bekommt von mir einen ganzen Batzen ab, von dem, was ich dann verdiene!

Tschüss

Elisabeth ·

Hallo,

da ich mich beruflich verändern möchte und als EDV-Trainerin mich selbstständig machen möchte, würde ich gerne wissen, was man für eine Stunde so verlangen kann.
Ich habe den ECDL komplet, und den ECDL-Advanced in Word und Excel.
lg

Elisabeth ·

Hallo,

da ich mich beruflich verändern möchte und als EDV-Trainerin mich selbstständig machen möchte, würde ich gerne wissen, was man für eine Stunde so verlangen kann.
Ich habe den ECDL komplet, und den ECDL-Advanced in Word und Excel.
lg

Elisabeth ·

hi astorx,

findest du also 20 euro in der stunde nicht zu viel wenn man diese verlangt?

Martin Lehmann ·

Ich bin seit 1997 MCT, MCSE usw. und seit 2004 auch LPIC, CLP u. CNI. 1997 habe ich ca. 400,- € für einen einfachen MOC-Kurs Admin Einführung erhalten. Da war die Welt noch in Ordnung. Mittlerweile kann ich fast froh sein, wenn ich noch € 400,- als all. inkl. TS raushandeln kann für AD-Design. Für einen einfachen Kurs bekommt man meist nur noch 300,- €. Das bedeutet, dass der Preis seit fast zehn Jahren sich durch irgendwelche Billigheimer, die keinen Plan vom Markt haben, der zurück entwickelt hat und das bei steigenden Lebenshaltungskosten. Schau sich einer allein den Spritpreis an. Dann soll ein Münchner Trainer in Hamburg ein Seminar für 400,- € all inkl. abhalten?!? Da bezahlt er mehr für Sprit und Hotel als er verdient. Ganz zu schweigen davon, dass er einen Tag an und einen abreist. Kursvor und Nachbereitung nicht eingeplant. Leute so kann es nicht weiter gehen. Verkauft einen ordentlichen Kurs auch für ordentliches Geld! Vor kurzem habe ich einer Trainervermittlung erst wieder den Kragen gerettet. Die haben einen Kurs an den Endkunden für € 200,- für eine Profi LINUX Schulung LPIC verkauft. Selbst wenn sie einen Trainer für € 200,- finden verdienen sie nichts dran. Vor einem Monat hat man micht gefragt, ob ich den Kurs übernehme, wenn sie noch € 150,- drauf legen. Nö!!! Dann wurde der Kurs von so einem 200,- € Trainer begonnen. Der war dann plötzlich nach dem 2. Tag krank. Warum wohl?!? Tja dann mussten Sie bluten! Habe die restl. 3 Tage professionell zu Ende gebracht für € 500,-. Aber selbstverst. nicht all inkl.! Hotel und Anreise wurden separat erstattet. Leute die gut sind sollten auch nicht unter € 500,- unterrichten. Wer’s doch tut macht den Mark kaputt. Wenn die Vermittler sich selbst nicht verkaufen können, und so Nullnummern mit 200,- € TS vertickern sollen sie den Kurs halt selber machen. Mal schauen wieviel Zeit die dann für die Vorbereitung brauchen und welcher Stundenlohn dann dabei raus kommt!

Stefanie ·

Hallo,
bin auch gerade mit dem thema beschäftigt. habe mich als pädagogische Dozentin für ein Projekt beworben, um junge Frauen fit für den Arbeitsmarkt zumachen.(bewerbungstraining, Coaching, EDV-Ggrundlagen usw.) Träger ist ein Verein in München, Agentur f. Arbeit ist nicht beteiligt.
Wieviel kann ich mit guter Berufserfahrung in genau diesem Bereich(6 Jahre) u.a. 4 Jahre Festanstellung verlangen? dachte 25 - 35 Euro. Ist das zuviel?
Danke für eure Tips!

claudi ·

hallo,

sehr interessant die kommentare. da bin ich mal froh, dass ich mit meinem problem nicht allein bin. ich bin selbständig, die doz.tätigkeit läuft aber eher nebenbei. habe jetzt allerdings nen job bei einer maßnahme für junge arbeitslose, die vom arbeitsamt gefördert wird. und nach nicht mal einer woche gibt es probleme. aus 4 unterrichtseinheiten (bezahlt) plus 15 minuten pause (unbezahlt) wurde ohne info oder nur die idee mich zu fragen 4 unterrichtseinheiten plus 1 stunde pause. bei der kalkulation meiner preise für dieses spezielle projekt bin ich halt von der ersten variante ausgegangen, super sache! jetzt weiß ich nicht wirklich, wie ich mich verhalten soll. bin echt total sauer auf die netten herren! vor allem, weil ich einen ersten “einstiegspreis”, sozusagen zum kennenlernen geboten habe. mittlerweile habe ich auch gehört, dass ich nach auslaufen der “kennenlern-phase” ersetzt werden soll, obwohl das kennenlernen bis jetzt gerade mal einen tag gedauert hat. obwohl dann eigentlich noch einmal neu verhandelt werden sollte. ja hallo! wenn ich in diesem bereich weiter solch tolle erfahrungen machen werde, werde ich mich aus diesem geschäft wohl bis auf das allernötigste zurück ziehen. hauptsache billig ist echt nicht mein ding!!!
wenn ich meine zeit in so etwas investiere, sollte auch schon etwas hängen bleiben.

nur damit ich mir ein bild machen kann, ob meine vorstellungen so verquer sind:

was nehmt ihr für eine unterrichtseinheit, wenn es um vom arbeitsamt geförderte maßnahmen geht?

macht ihr überhaupt einen unterschied?

mfg claudi

hilde ·

hallo claudi,

ich arbeite in einem von der arge bezahlten projekt zur förderung von sgb-II-kunden, den so genannten langzeitarbeitslosen. ich firmiere als freie honorardozentin, ich bin also so frei und zahle arbeitgeber- und arbeitnehmeranteil an steuer, krankenkasse, rente. ich erhalte - bitte schnallt euch an oder setzt euch - 15 euro brutto die stunde. wieviel davon netto bleibt, habe ich mich noch nicht getraut, auszurechnen. ich glaube, das nennt man das existenzminimum.

frage: hattest du denn keinen schriftlichen vertrag? ob das soviel hilft, weiß ich nicht, aber den könnte man dann wenigstens vor wut abfackeln. die ba killt klar den markt und das ist seit jahren politisch gewollt. prost.

lieben gruß, hilde

B. Jacobitz ·

Hallo Hilde
15€ sind ja erschreckend!
Die ganze Diskussion zeigt mal wieder, dass sich niemand darüber Gedanken macht Qualität zu halten. Natürlich wollen Kunden ihre Schulungen günstig halten, leider richten sie dabei aber über kurze Zeit fast alle Dozenten zugrunde.
Außerdem können gerade die Neuen selten abschätzen was für ein Rattenschwanz an Kosten mit dieser Freelancer Tätigkeit verbunden ist.
Ich empfehle für den Anfang einige ganz einfache Überlegungen.

Was gebe ich jeden Monat aus?
Wie viele Tage arbeite ich?
Daraus ergibt sich ganz direkt ein Tagessatz der nicht an allen Notwendigkeiten vorbei geht.

Bitte bedenken dass gerade die Freien am Anfang mit maximal 50% Auslastung rechnen können. Also mit 10 Tagen/Monat.

Ausgehend von einem Singel in einer Mietwohnung mit abgeschlossenem Studium. Der laut Statistik als Angestellter etwa 3000,-€ pro Monat (Brutto!) bekommen könnte.

Der muss also mindestens verlangen
3000€ / 10Tage = 300€
Da sind dann aber keine grossen Sprünge drinn.
Ich persönlich würde dies als den Mindestsatz ansehen und dann je nach Anspruch (Beginner, Advanced, Expert) drauflegen.

Jaco

Hans ·

Das ist alles sehr abhängig vom Standort. In Dresden bekommt man in Privatschulen für Officekurse für Sekretärinnen das Gleiche wie für Programmierkurse oder Softwaretechnik. Das ist auch das Gleiche wie an FH’s der Stadt für eine Hochschulvorlesung über Informatik, Projektmanagement usw zahlen. Nämlich 23 Euro so pummlig. Manche etwas mehr, andere etwas weniger. In Sachsen Anhalt liegts eher bei 18 eus. Fremdsprachentrainer gehen hier für 14 und eine bekannte uni hat seminare ebenfalls deutlich unter 20 angeboten. es werden heir generell keine fahrkosten oder so erstattet und zeuch wie test ausarbeiten udn kontrollieren ist inklusive. rechnet man das auf die geforderte qualifikation (ich hab zwei uniabschlüsse, davon einer naturwissenschaftlich, der andere pädagogisch) runter, nimmt vor- und nacharbeiten, schüler-und studentenbetreuung dazu, wirds echt böse. wenn ichs recht bedenke, brauch ich um die 40 stunden die woche um genug steuern bezahlen zu dürfen. betriebe richten sich hier so auf 30-40 diestunde ein. nur große firmen zahlen halbwegs rentabel, aber diese aufträge bekommt man selten weil der wettbewerb riesig ist und die ansprüche überschaubar. die microsoft zertifizierten trainer müssen, wie oben schon jemand schrieb, die kurskosten umlegen. davon abgesehen gibts davon nicht so viele, weshalb die anders verhandeln können. eine stadt mit weniger ausgeprägtem bildungsmarkt als grad dresden mag a besser dastehen, bei uns jedenfalls ists zum verhungern. wichtig: je unspruchsloser ein kurs, umso besser bezahlt, europäische kurse liegen bei uns so bei 30 euro.

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