»You make a grown man cry«. Mit diesen sinnigen Strophen von den Rolling Stones initiierte Microsoft im Frühjahr 1995 die Werbekampagne für ihr neues Betriebssystem, Codename Chicago.
Eine weitere Folge in der Serie zur Klärung der Computergeschichte. Wie fast auf den Tag genau vor 10 Jahren, denken einige Menschen heute noch, Microsoft hätte uns mit Windows 95 die graphische Benutzeroberfläche beschert und aus dem Sumpf von c:\> (C-Doppelpunkt-Backslash-Krokodil) befreit. Im Vergleich zu Windows 3.11 war Windows 95 wirklich ein Quantensprung. 32 Bit-Technologie, die zwar auf DOS fußte, aber dennoch endlich (aber auch nur zum Teil) die damals vorhanden Intel-Prozessoren ausnutzte. Wobei nur ein geringer Anteil von Computernutzern einen Intel 486 DX 2 mit 33 MHz ihr eigen nennen konnten.
Steve Balmer und Bill Gates fuhren die heftigste Propaganda seit Firmengeschichte. Die Lizenzierung des Songs »Start Me Up« der Rolling Stones für 12 Millionen US$ war bei weitem die günstigste Ausgabe. Microsoft griff für die Werbung dermaßen tief in die eigene Tasche, dass Chicago zum Erfolg verdammt war - in jeder Beziehung.
Wie Kopfgewaschen stürmten am 24. August 1995 um Mitternacht Käufer die Computerläden in den USA um eine Packung von Windows 95 zu ergattern. Dabei mussten viele feststellen, dass ihr Computer den Anforderungen nicht entsprach und Windows 95 darauf mindestens so lahm lief, wie das zuvor von Microsoft geschasste OS/2. Als Nebeneffekt bescherte Windows 95 der Hardware-Industrie einen unfassbaren Boom.
Bald wurde Windows 95 zum meist verkauftesten Betriebssystem auf der Welt und etablierte sich, durch die Kompatibilität zu DOS, in der Industrie und, durch seine Medienfunktionen, in Haushalten. Dabei gab es 1995 und viele Jahre vorher sehr wohl bessere Alternativen, wie den Commodore Amiga, Atari oder die Apple Macintoshs.
Ferner gab es im Hause Microsoft Alternativen die Chicago, im selben Jahr seiner Einführung, locker das Wasser hätten reichen können. Zum Beispiel »SCO Open Server« aka Xenix, dass auf einem Unix-Kernel aufbaute und Windows 3.11- und DOS-Programme ausführen konnte.
Fakt ist, hätte Microsoft nicht die bereits riesige Benutzergruppe von DOS und Windows 3.11 mit Windows 95 angesprochen, wäre der gigantische Erfolg von Chicago und somit der Geldsegen für Microsoft ausgeblieben.

5 Kommentare
Wie Microsoft hat mit Windows95 nicht den Computer erfunden? Das ist jetzt aber gewagt.
Du meinst ganz nach Orwell? Wer die Vergangenheit kontrolliert, kontrolliert die Gegenwart und Zukunft?
Nur eine Kleinigkeit, weil ich mich gerade daran erinnere, dass mein i486DX mit 33 MHz ausschließlich mit DOS und Windows for Workgroups 3.11 in Berührung gekommen war und Windows 95 hier erst mit dem wackeren Pentium 90 ein Thema wurde:
“Wobei nur ein geringer Anteil von Computernutzern einen Intel 486 DX 2 mit 33 MHz ihr eigen nennen konnten.”
Dieser geringe Anteil dürfte sogar stark gegen Null tendieren. Merke: Wenn schon eigentlich unnötig präzise Bezeichnungen, dann vielleicht besser korrekte.
Und der i486DX2 war zum Zeitpunkt des Erscheinens von Windows 95 bereits dreieinhalb Jahre alt, der i486DX mit 33 MHz sogar über fünf Jahre. Die seinerzeit üblichen Abschreibungszeiträume sollten also zumindest in Unternehmen dafür gesorgt haben, dass diese Systeme durchaus vorausgesetzt werden konnten. Aktuell war bei Erscheinen von Windows 95 übrigens der Pentium mit 133 MHZ.
Stimmt, Pentium war 95 schon State of the Art.
schöne Beschreibung der “Vernichtung” einiger schöner Rechner, so daß diese gar nicht erst in Bewußtsein der Masse drangen *seuz*
Bin zwar kein “crack”, aber kann mich noch gut an meine ersten Gehversuche auf einem Atari 1024 errinnern, ich glaub das war um die ‘88 und ohne platte, und daran, das space quest 2 darauf mal grade 2 disketten benötigte und auf meinem eigenen DR-Dos Rechner 5. jaja, so war das Mal..
heute versuch ich dann meinen berenteten Eltern klar zu machen, das der kleine günstige aber feine athlon 2200 Rechner mit ‘98 den ich für sie vor 6 Monaten zusammenstellte für ihre Bedürfnissse völlig ausreichend, einfach und vor allem relativ sicher fürs surfen ist, aber sie wollen ihn mir jetzt schenken, weil ja der von Aldi das sehr gute XP drauf hat, man sei ja nicht up to date. was red ich mir den mund fusselig her mit dem teil, den neuen werden sie auch nicht benutzen.. oder aber erst recht nicht durchblicken, und ich darf call-center spielen wenn Vater im System rumwurschtelt, weil XP ja so einfach ist,sonst hätte sich der Bill ja nicht damit durchgesetzt.. 2k darf es auch nicht sein.. was soll man machen. ich sach immer, bitte, wenn ihr “nach hause” telefonieren wollt.. dann wartet noch ein jahr aufs nächste… da klappt das noch besser.
*argh*