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Macintosh

November 29, 2004

Die Serie zur Klärung der Computer-Geschichte geht weiter. Es gab sehr wohl eine GUI vor Windows 95 und es gab sehr wohl ein Computer-Zeitalter vor MS-DOS.
1978 war die Firma Apple mit der Entwicklung des Lisa Computers beschäftigt. Man wollte den nächsten Rechner schaffen der IBM aus der Bahn werfen sollte. Apple strengte zu jener Zeit noch weitere Projekte an. Durch den Verkaufsschlager Apple II waren die Kassen gut gefüllt. Die Firma wuchs. Jef RaskinJef Raskin wurde als Mitarbeiter Nummer 31 eingestellt nachdem er das komplette Integer Basic-Handbuch des Apple II verfasst hatte. Im Laufe der Zeit führte er eine neue Abteilung für Produkttest sowie eine weitere Abteilung für Anwendungssoftware ein. Der damalige Chairman Mike Markkula erkundigte sich bei Raskin ob er an einem Projekt namens Annie arbeiten wolle. Eine Spielecomputer für unter US$ 500. Raskin lehnte ab. Er wolle ein Projekt verwirklichen das ihm schon seit langem durch den Kopf ginge. Er nannte es Macintosh und es sollte so einfach zu bedienen sein, damit der Mann von der Straße ihn ohne Handbuch verstehen konnte. Markkula war von der Idee Raskins begeistert und ließ ihn eine Abteilung schaffen die den Macintosh konzeptionieren und zur Marktreife bringen sollte. Der erste Ansatz war dass der Macintosh nur Schnittstellen für externe Geräte haben sollte. Man sollte nicht, wie beim komplizierten Apple II, die Möglichkeit haben ihn mit Erweiterungskarten voll zu stopfen. Der Anwender sollte nie genötigt werden das Gehäuse des Macintoshs zu öffnen. Der Ur-Mac sollte einen 5″-Bildschirm, ein 5,25″-Disketten-Laufwerk mit 200KB Speicherplatz, einen 8-Bit-Prozessor, die Programmiersprachen BASIC und FORTH in einem ROM, einen Tragegriff, ein Gewicht von unter 20 Pfund und einen Akku mit einer Haltbarkeit von 2h haben. Der Akku war bis 1980 fest geplant, wurde aber dann verworfen. Man dachte am Anfang, der Macintosh würde ein so tolles Produkt werden, dass die Menschen ihn überall mit hin nehmen würden. Man zielte einen Verkaufspreis von US$ 500 an, damit sich PITS (»Person in the Streets« – die von der IT noch unerschlossene Zielgruppe) diesen Computer leisten konnten. Schnell wurde klar dass dieser Preis nicht zu halten war. Es kamen so viele neue Ideen hinzu das der Preis im gleichen Jahr auf US$ 1.500 kletterte. Einen Monat später, im September 1979, kürzte man den eingebauten Drucker und Monitor weg. Der Macintosh sollte von nun an einen Fernsehausgang besitzen. Man war wieder bei 500 Dollar. In den vier Jahren bis zu seiner Veröffentlichung machte der Macintosh in seinem Preis so einige Berg und Talfahrten mit. Mal war das Haupteingabegerät ein Lightpen, mal ein Joystick bis es wie am Lisa eine Maus wurde. Auch machte es keinen Sinn einem PITS Programmiersprachen zur Hand zu geben mit denen er seine eigene Textverarbeitung programmieren konnte. Eine im ROM gespeicherte Textverarbeitung wurde zum Muss.
Man hielt damals nicht viele Stücke auf das Macintosh-Projekt. Inklusive Steve Jobs. 1981 kam er als Manager nach einem Streit mit dem Vorstand in die Mac-Abteilung. Der Vorstand war der Ansicht Jobs wäre dort gut aufgehoben und er könne sich austoben – nachdem er beim Lisa-Team abgeblitzt war. Jobs machte es zu einer persönlichen Sache und wettete mit dem Projektmanager des Lisa-Teams, John Couch, um US$ 5.000 der Macintosh würde zuerst auf den Markt sein als der Lisa. Es war eine sehr optimistische Aussage, da am Apple Lisa bereits zwei Jahre gearbeitet wurde, aber der Mac noch in der Konzeption war. Als Ausdruck dieser kleinen Feindschaft wehte über dem Macintosh-Gebäude die Piraten-Flagge. Steve Jobs sagte über den Reiz zum ursprünglichen Mac-Team zu gehören

Es ist besser, Pirat zu sein, als in die Navy einzutreten

Dennoch war es keine Schande Entwicklungen die der Lisa hervorbrachte für den Macintosh zu verwerten. So wurde der 6809E-Mikroprozessor durch den viel leistungsstärkeren 680000 des Apple Lisas ersetzt. Der Preis schoss dadurch natürlich in die Höhe. Jef Raskin war damit nicht einverstanden, was jedoch Steve Jobs egal war. Dank des neuen und mit dem Lisa gleichen Prozessors konnte das Macintosh-Team nun auch Software-Lösungen die für den Lisa entwickelt wurden anzapfen. Den Mac und Lisa allerdings kompatibel zu machen lehnte Steve Jobs konsequent ab. Steve Jobs fing an beim Lisa-Team Leute abzuwerben und Technologien zu mopsen. Andy Hertzfeld, Chefprogrammierer beim Mac-Piraten-Team sagte

Wir erbaten, liehen oder stahlen Code, wo wir nur konnten

Der Mac wurde dem Lisa immer ähnlicher. In Funktionsumfang und im Preis. Die Steuerung Joystick/Lightpen wurde durch Jobs von der Maus abgelöst, was Jef Raskin für eine schlechte Idee hielt. Er schaffte es zumindest dem Macintosh nur eine Maustaste, für die leichtere Bedienung, zu verpassen, statt drei wie am Alto. Der Macintosh bekam die QuickDraw-Routinen von Atkinson aus dem Lisa-Team – somit konnte er nun Fenster darstellen.
Jef Raskin und Steve Jobs bekamen sich immer öfter in die Harre bis Raskin einen Schlussstrich zog und Mitte 1982 seine Kündigung einreichte. Dan Kottke ein Mac-Entwickler beschrieb das Verhältnis der beiden so

Jef Raskin und Steve Jobs waren dominante Persönlichkeiten. Jef hätte bleiben können, wenn er sich Steve Jobs nicht wiedersetzt hätte. Er regte sich über bestimmte Dinge sehr auf und kriegte sich dann nicht wieder ein.

Am 19. Januar 1983 erschien der Lisa und Jobs musste seine Wettschulden bei John Couch bezahlen. Erst ein Jahr später am 24. Januar 1984 führte Apple den Macintosh ein. Er besaß einen 68000-Mikroprozessor mit 7,83 MHz, einen 9″-Monochrombildschirm, 3½”-Diskettenlaufwerk mit 400KB Speicherkapazität und 128KB RAM. Die grafische Benutzeroberfläche kam mit einer Auflösung von 512×342 Pixel, den Programmen MacPaint von Bill Atkinson, MacWrite von Randy Wigginton und dem Finder von Bruce Horn und Steve Capps.
Mac OS

Die Geschäftsführer von Apple stritten bis zum letzten Moment über den Preis. Die Herstellungskosten betrugen 500 Dollar. Steve Jobs hoffte auf einen Verkaufspreis von 1495 Dollar. Eine Apple übliche Handelsspanne waren 150%, somit hätte der Preis bei 1995 Dollar liegen müssen. Der neue Präsident von Apple, John Sculley, hatte aber eine 100-tägige 15 Millionen Dollar-Kampange die während des Super Bowl XVIII mit dem Werbespot »1984« startete den Preis auf 2495 Dollar getrieben. Knapp 2000 Dollar mehr als Jef Raskin dafür wollte. PITS waren nicht mehr die Zielgruppe. Es war »der Computer für den Rest von uns«, womit jene gemeint waren, die mehr Geld hatten, als sie ausgeben konnten.
Dennoch, am 100. Tag nach Veröffentlichung des Macintoshs hatte man 72.000 Exemplare verkauft. Im März 1987 hatte Apple eine Million Macintoshs verkauft. Am 17. März 1987 holte Apple sechs MacPlus vom Band und zeichnete alle mit als den einmillionsten Mac aus. In Anerkennung der Tatsache des wahren Vaters und Namensgeber wurde einer an Jef Raskin geschickt. Es war sein erster Mac, den er heute noch besitzt.

Quellen:
Jef Raskins Webseite
Apple, streng vertraulich

3 Kommentare

XAXOJI ·

Hallo Könnt ihr dass alles bisschen kürzer Zusammenfassen.BITTE!!!!

Nik ·

apple is cool

nmp ·

Wenn Ihr den Artikel kürz, dann haltet diese Langversion (über Link erreichbar?), im Hintergrund verfügbar.
Er ist gut geschrieben, informativ, bietet einen guten Einblick. Ich fände es schade, ihn zu kürzen.

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