Bei der Wahl eines Warenwirtschaftssystems, sollten meiner Meinung nach drei Punkte am meisten gewichten.
Modularer Aufbau; Erweiterbarkeit, entweder durch weitere Module oder durch eigene Programmierung; und Plattformunabhängigkeit, wobei man sich über diesen Punkt streiten kann.
Oft wird in Firmen bei der Wahl des Warenwirtschaftssystems, das wie keine andere Software die Zukunft der Firma beeinflusst, aus dem Bauch heraus entschieden. SAP R3, weil’s die Chefetage ständig auf n-tv sieht oder Databecker »Ich AG-WWS« aus dem Mediamarkt, weil’s so verdammt günstig ist.
Laut SAP-Chef Kagermann werden in Zukunft die großen Warenwirtschaftssysteme von der Grundkonfiguration her schon so gut mit den Abläufen der großen Konzerne funktionieren, dass nur noch die Weiterentwicklungen unter den eigenen Dächern und das Marketing einen Unterschied zur Konkurrenz (die ja auch SAP R3 hat) machen.
Im Mittelstand sieht es anders aus. Dort regiert nur ein Gesichtspunkt - Geld. Im Moment wird gerade unsere Firma auf ein neues WWS migriert, von dem man behaupten kann, es ist - im Sinne des Informationszeitalters - aus der Steinzeit.
Den Namen möchte ich nicht nennen, geschweige denn darauf verlinken.
Gegenüber dem alten WWS, das zugegeben auch nicht gerade der neuste Schrei war, macht die neue Software nur eine Sache besser als die alte. Sie liegt zentral auf einem Server, statt auf 20 Clients verteilt. Das war’s. Nachteile sind auch alle Nachteile der alten Software plus ein paar mehr.
Geschlossene ISAM-Datei, statt offener relationaler Datenbank (Okay, mit div. APIs); proprietäre Software; Basierend auf DOS verkuddelt mit div. Windows-Dlg-APIs (wahrscheinlich wscript-Aufrufe); 80×24 ASCII-Zeichen in Farbe (Heureka, das Alte war stellenweise auch nur grün/schwarz); Bahnbrechende Menuführung á la 1=AUFNAHME 2=ÄNDERUNG 3=LÖSCHUNG usw. Das Alte konnte wenigstens mit den F- und Pfeiltasten etwas anfangen und man musste auch nicht nach jeder Auswahl Enter drücken.
Einige Vorteile hat es dann doch noch. Der Knaller ist das super Interface (wie gesagt: DOS) mit Blätterfunktion, bei der man erneut die Nummer des Datensatzes eingeben kann, wenn man am Ende angekommen ist (Um sich den Datensatz vielleicht nochmal anzusehen); Keine eindeutigen Rechnungsnummern (sozusagen Geldwäsche integriert); Ganze 10 Zeichen für Artikelnummern um Verwechslungen ein für alle mal auszuschließen; und ständig präsent: Datum rechts oben!

10 Kommentare
DOS? Nicht wirklich. Das _MUSS_ ein Scherz sein… isses doch, oder?
Ich empfehle euch FOSS von der Firma Ordat. In der aktuellsten Version haben sie es sogar geschafft, den DOS-Look durch einen Windows XP-Look abzulösen. Wohl gemerkt, nur den Look. Das Feel ist noch DOSsig.
Nein, leider kein Scherz. Es ist DOS.
Hey man kann aber mit der Maus Menupunkte anklicken. Es wird aber nur die Y-Koordinate berücksichtigt. Das Programm hies glaube ich cmouse.exe und hat meine alten QBasic-Programme auch mausfähig gemacht.
cmouse.exe das kenn sogar ich noch *lol*
Wird so eine Software ernsthaft noch vertrieben und supported? Wohl gar auch noch weiterentwickelt?
Die Apocalypse rückt immer näher…
Ja, die cmouse.exe hat den Rückgabewert entweder per Runlevelerror zurückgeschmissen, oder man hat mit INDEX() den Ascii-Wert ausgelesen, wo man zuvor mit locate hin gezielt hat.
Nostalgie pur. Nein im ernst, von vergleichbaren Softwareproblemen in deutschen Behörden hab ich auch schon in der ZEIT gelesen. Da müssen dann pensionierte Kollegen gerufen werden um die Finanzamtsoftware zu warten, weil keiner mehr die Programmiersprache kennt. Ein geplantes Riesensoftwareprojekt hat ziemlich viel Geld gekostet und ist einfach geplatzt. Übrigens Deutschland ist, neben Albanien, das einzige Land in Europa, dass einen analogen Polizeifunk hat. Mich wundert gar nichts mehr.
Wieso ist dein Berufsalltag immer so spannend? Ich finde das mittlerweile richtig fies. Du erlebst immer die supertollsten Sachen
kommt mir doch stark bekannt vor.
in unserer firma wird auch ein auf DOS basiertes WWS verwendet, welches mit einer “pervasive SQL 7 datenbank läuft”!
wurde von der fa. kassys entwickelt(ausser datenbank).
nun es funktionert, soviel steht fest, auch das es unter XP läuft ein wunder!? ich warte noch auf den tag, wo das programm seinen geist aufgibt :_)
Supertoll, Angels? Ich schaue dem Treiben nur perifär zu.
So witzig ist das gar nicht oder mit einem Zitat ausgedückt: »Gestern standen wir vor dem Abgrund, heute sind wir schon einen Schritt weiter«
Ich habe neulich für eine Buchhandlung auch ein komischen DOS-Programm für die Verwaltung+Kasse installiert. Ich habe mich aber geweigert die Netwzerkgeschichte in irgendeiner Art zu supporten.
Inzwischen muss man moderne Rechner für solche Programme ja noch Nachrüsten: wer hat heute noch Paralelle- und Serielle-Schnittstellen in klassischer Form?