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Drag & Drop

September 09, 2004

Als Programmierer ist mir wohl bewusst was es für ein Aufwand ist Drag & Drop sauber in seine eigene Anwendung zu implementieren. Aber was Microsoft abgeliefert hat, spottet jeder Beschreibung. Sei es nun im aktuellen Office für Windows oder bei Windows selbst. Ich kann z.B. keine Dokumente in die Taskleiste ziehen um sie für das anvisierte Programm verfügbar zu machen. Ich werde mit einer Fehlermeldung abgespeist, das dies einfach nicht geht. Man hat also daran gedacht. Aber ein Event das die Anwendungsentwickler abfangen könnten, wurde nicht implementiert. Faulheit! Wenn ich ein Word-Dokument vom Desktop auf ein bereits offenes Word-Fenster ziehe, um es zu öffnen, wird statt dessen der gesamte Inhalt des Word-Dokuments eingefügt. Wenn ich ein Word-Dokument aus einer Outlook-E-Mail in ein anderes Word-Fenster ziehe, wird nur das Icon im anderen Dokument angezeigt. Mache ich den Vorgang in Word Rückgängig, fehlt die Datei in der E-Mail. Auch dort muß ich das ganze ungeschehen machen. Allein schon über die Tatsache das ich eine erhaltene E-Mail ohne weiteres abändern kann, wundere ich mich, aber dass sich beide Aktionen die eigentlich beide das vermeintlich gleiche machen sollten - auch wenn es nicht das war was ich haben wollte - sich unterschiedlich verhalten könnte ich mich ärgern. Das ist unakzeptabel.

6 Kommentare

Nicole ·

Wenn Du das Word-Dokument *auf* den Text ziehst, wird es selbstverständlich eingefügt.
Du hast gesagt ‘hierher’

Läßt Du es über die anderen Elemente fallen (Symbolleiste / Statusleiste unten / Menü usw) wird die Datei geöffnet.

Anwendungen, mit denen ein Verknüpfungsaustausch stattfinden kann, und die er als solche Elemente erkennt, kann er einbinden als Kopie. Markierst Du den Absatz, wird Dir das auch auffallen.

Ähnlich ist es mit der Anlage (!) die Du aus der Mail holst - Du verschiebst hier keinen Inhalt, sondern eine Anlage.

Das dieses Verhalten konsistent ist bemerkst Du daran, was passiert, wenn Du eine fremde Anwendung per Drag &Drop fallenläßt.

Man kann übrigens nicht jede erhaltene Mail abändern, es kommt auf das Format an (Anlagen sind in der Mail / im Kopf der Mail als Anlage gekennzeichnet).

Die einzige Sache, die ich ebenfalls als Fehler durchgehen lasse, ist die Tatsache, daß die Anlage verschoben wird - hier sollte man automatisiert eine Kopie erwarten (so wie beim D&D aus dem Datei-Explorer).

martzell ·

Möchte man unter Windows Dateien über Ziehen & Ablegen öffnen, muss man diese an den unteren Bildschirmrand auf die Taskleiste ziehen, warten bis das Programm in den Vordergrund kommt und dann ganz oben in der Titelleiste ablegen. Da wird einem ganz schön viel Weg zugemutet (dass die Taskleiste nicht am oberen Bildschirmrand ist, ist ein Fehler, der in der Windows Experience FAQ sogar noch verteidigt wird, mit dem Argument, die meisten Benutzer würden die Taskleiste nicht brauchen und nicht benutzen). Zum Lachen wenn es nicht so traurig wäre.

Ob ich eine Datei aus dem Windows Datei Explorer in ein Word Dokument ziehe oder aus einer E-Mail sollte keinen Unterschied machen. Es wird oft Text und anderes über Fenster und Programme hinweg unerwarteterweise verschoben statt kopiert. Damit rechnet man nicht. Wenn Drag & Drop unter Windows so gefährlich ist benutze ich das lieber nicht.

In Outlook und Word (ich glaube Version 2000 war das) führt kopieren und einfügen zu Datenverlust. Kopiert man den Zeilenumbruch am Ende mit geht dieser verloren. Da haben sich die Programmierer gedacht “Falls jemand einen Zeilenumbruch am Ende mit kopiert kann das nicht gewollt sein! Den filtern wir raus!”

Auf dem Mac ist es ein Leichtes Wörter über Ziehen & Ablegen umzuordnen. Es wird intelligent dafür gesorgt dass keine zwei Leerzeichen in der Lücke zurückbleiben. Legt man das Wort zwischen zwei Wörtern ab (nur dann) wird intelligent dafür gesorgt dass rechts und links von dem Wort Leerzeichen sind. Wörter unter Windows über Ziehen & Ablegen umzugruppieren ist viel zu schwierig. Es wird nicht das nur das Wort markiert sondern immer das Zeichen nach dem Wort. Also das Leerzeichen, aber auch das Satzzeichen. Man muss das Wort auf den Pixel genau richtig fallen lassen, damit nicht zwei Leerzeichen rechts vom Wort stehen und links gar keines. Hat man das Wort vom Ende des Satzes geholt muss man das Satzzeichen löschen und am Ende des Satzes wieder eins setzen. Das ist mir zu kompliziert. Dann lieber kein Drag & Drop unter Windows.

Windows Drag & Drop wird in einem Buch über objektorientierte Programmierung als Negativ-Beispiel angeführt. Das Buch zeigt die Vorteile von echter Objektorientierung wie bei Mac OS X Cocoa Objective C gegenüber C++ mit Klassen (oder ohne Klassen; Windows ist zu einem großen Teil in reinem C programmiert). Bei C++ braucht man für jeden Datentyp ein Interface, während Objective C nicht typsicher ist. “Um himmelswillen! Nicht typsicher! Das ist ja furchtbar!” werden manche sagen, die es zwar nicht begründen können, aber es so gelernt haben. Bei Objective C kann man einfach irgendein Objekt übergeben. Das muss dann der Programmierer bewältigen (fast hätte ich auf Denglisch “handlen” geschrieben). In C++ könnte man das gar nicht ohne weiteres kompilieren. Heutzutage in der modernen Programmierung auf leistungsfähigen Prozessoren (über 100 MHz) ist Objective C die bessere Lösung.

Nicole ·

Ich will keine Taskleiste oben auf dem Bildschirm haben. Sollte ich es wollen, könnte ich sie dort hinhaben, aber ich will die da nicht haben.

Genausowenig habe ich ein Problem damit, daß ‘jedes Programm eine eigene Symbolleiste im Bild hat’ im Gegensatz zu der Mac-Variante ‘immer oben, immer gleich’.

Ich beschwere mich ja auch nicht darüber, daß ich im Mac meine Taskleiste nicht unten habe, daß ich nur eine Maustaste habe. Deine Beschreibungen zeigen auch, daß Dir das Verhalten von Absatzendmarken in Word auch nicht geläufig bzw. verständlich ist.

Ich könnte Deine Beispiele jetzt weiter durchgehen, aber zusammengefasst kann man sagen: Du bist an ein bestimmtes Verhalten mit einer leicht anderen Philosophie gewöhnt und trainiert.

Das magst Du offensichtlich, das kannst Du - für anderes bist Du jetzt genauso verdorben wie ich für das tolle “Feature” auf *ix Systemen, beim Halten der Maus über einem Fenster, es in den Vordergrund zu holen.

Ist grundsätzlich alles in Ordnung - aber es ist nicht akzeptabel, wenn die Überschrift über Deinen Artikeln unbelastetes Herangehen suggeriert.

Oder formulieren wir es so: Auch wenn Du es nicht ausschreibst, ist “auf dem Mac ist alles logisch und unter Windows ist es das nicht” keine Basis für ernstzunehmende Diskussion.

martzell ·

Liebe Nicole,
martzell und lemming sind verschiedene Personen. Eine Überschrift hat mein Beitrag gar nicht.

“Deine Beschreibungen zeigen auch, daß Dir das Verhalten von Absatzendmarken in Word auch nicht geläufig bzw. verständlich ist.”

Nach fünf Jahren 40 Stunden Woche als Informatiker bei Microsoft Certified Partnern und davor drei Jahren als Office Spezialist als Aushilfskraft in den Ferien, sind mir sowohl die tiefsten Windows Konzepte als auch die Besonderheiten der Office Programme sehr gut bekannt.

Dass, wenn man in Outlook Absatzendmarken in die Zwischenablage ausschneidet, beim Einfügen diese nicht eingefügt werden, sondern im Nirwana verschwinden, ist mir wirklich nicht verständlich, aber doch geläufig.

“auf dem Mac ist alles logisch und unter Windows ist es das nicht”

Auf dem Mac ist nicht automatisch alles sinnvoll. Man muss immer Fall für Fall entscheiden was auf welcher Plattform besser ist und es sich dann für eigene Projekte zum Vorbild nehmen.

Das verschieben von Wörtern ist so ein Fall der auf dem Mac intelligenter gelöst ist. Du darfst das gerne mal selber ausprobieren und dir dann eine Meinung bilden.

Wobei MS Word sich gleich verhält, wie auf dem Mac alle Textfelder, und damit das Textverhalten in Word nicht einheitlich ist zu allen anderen Windows Textfeldern.

Ich hatte die Taskleiste eine zeitlang am oberen Bildschirmrand. Leider ist häufig die Titelleiste von Fenstern darunter verschwunden. Als Workaround musste ich die Größe der Taskleiste ändern. Damit bekamen die Fenster das Signal unter der Taskleiste hervorzukommen.

In einer Zeit als es noch kein Windows 95 gab und ich mit Windows 3.11 bei Daimler-Benz meine erste Berufserfahrung sammelte, hätte ich es schon sinnvoll gefunden wenn es eine Menüleiste gäbe auf die man immer Zugriff hat, da es in Dialogen kein Kopieren und Einfügen gab und ich erst später rausfand dass man mit Strg-C, Strg-V überall Kopieren und Einfügen kann.

Mit Strg-Esc konnte man unter Win 3.11 eine Fensterliste öffnen. Diese brauchte ich sehr oft. Ich wünschte mir diese Fensterliste als Reiterleiste ständig am oberen Bildschirmrand mit einer zweiten Reihe darunter mit den Fenstern im Programm. Jetzt hat man eine Taskleiste und manche Programme haben ihre Fenster im Programmfenster (Access). Manche direkt in der Taskleiste (Word). Und manche zeigen die Fenster in der Taskleiste an obwohl sie im Programmfenster sind (Excel). Darüber will ich gar nicht nachdenken.

Frank ·

Hier fehlt wohl ein durchgängiges Konzept, das die GUI beschreibt und an die sich gefälligst alle halten sollten. Dies hatte Apple früher sehr genau genommen, nun werden aber dort die Richtlinien so aufgeweicht, das die Applikationen auch in die Vorgaben passen.

Die Frage ist: warum ist es so schwierig eine einheitliche Software zu schreiben?
Die Benutzer würden es danken, wenn in jeder Software die Funktionen gleich zu erreichen sind und nicht jedes Mal anders. Dies fördert zwar Schulungen, aber nicht das Verständnis Computer und Mensch…

lemming ·

Microsoft hat selbstverständlich eine GUI-Guideline. Diese deckt jedoch nicht alle Themen ab. Eine gewisse Freiheit kann man Programmierern einräumen. Solange sie nicht die gesamte Konsistenz beeinflussen. Unterschiedliches Verhalten ist inkosistent. Da gibt es nichts zu rütteln.

Bei Apple gibt es allerdings auch einige Schnitzer die allerdings meist nur optischer Natur sind und nichts mit dem Verhalten zu tun haben. Zum Beispiel unterschiedliche Fenster-Buttons bei »Brushed Metal Applikationen« oder »Garage Band« mit seinem Garagentor als Fensterhintergrund. Ganz zu schweigen vom Dock.

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