Für Sehbehinderte ist das Internet eine ideale Möglichkeit alltägliche Sachen zu erledigen (z.B. Einkaufen) und Dinge zu lesen, die über Bücher und Blinden-Zeitschriften hinaus gehen. Sie benützen dabei spezielle Vorrichtungen die Ihnen den Bildschirminhalt entweder vorlesen oder als reinen Text auf einer Art Blindenschriften-Tastatur ausgeben.
Für das Surfen im Internet wird ein Text-Browser verwendet. Entweder ein speziell dafür ausgelegter Browser oder auch ein Programm wie Lynx – das in Linux/Unix-Kreisen recht verbreitet ist. Hier ist Lynx auch als Emulation zu finden. Ideal für Webdesigner die ihre Internetseite Blindengerecht erstellen möchten. Dazu braucht es nicht viel. Man muß, um kein Hindernis für Blinde zu schaffen, nur diese neun Regeln einhalten. Mit dem oben genannten Lynx-Emulator oder einer Erweiterung namens »Fang« für den Firefox-Browser lassen sich die eigenen Internetseiten auch wunderbar testen.
1. Keine Frames. Werden Frames verwendet ist für einen sehbehinderten Menschen bereits jetzt schon Schluss. Der Hinweis »Diese Seite verwendet Frames. Frames werden von Ihrem Browser aber nicht unterstützt.« ist ihm dabei auch nicht sehr hilfreich.
2. Keine Flash- oder Java-Navigation. Wird ein Text-Browser verwendet, so können keine Rich-Medien wiedergegeben werden. Somit sind Flash-Animationen und Java-Programme nicht sichtbar. Die Inhalte bleiben somit verborgen. Handelt es sich um eine Navigation, bleiben auch diese unerschlossen.
3. Immer ALT-Tags verwenden. Alternative Texte für Bilder sind für Sehbehinderte eine große Erleichterung bei der Navigation auf Internetseiten. Ist bei einem Bild kein ALT-Tag gesetzt, so bekommt man bei der Verwendung eines Text-Browsers nur den Dateinamen des Bildes angezeigt. Mitunter nicht immer die beste Beschreibung des Bildinhaltes. Ganz besonders unschön wird es, wenn es sich um Platzhalter mit langen Dateinamen handelt. Platzhaltern sollte man mit einem leeren ALT-Tag “” ausblenden.
4. Links ausreichend benennen. Lassen sich sehbehinderte Menschen bei einem erneuten Besuch nur die Links auf einer Seite anzeigen, so sind Linktexte mit »Hier« oder »Klicken!« wenig Aussagekräftig. Das gleiche gilt für Bilder die keinen ALT-Tag besitzen. An ihrer Stelle erscheinen in der Liste wieder nur die Dateinamen.
5. Richtiger Aufbau. Zunächst sollte der Titel der Webseite, die Hauptnavigation, die Tools (Suche, Warenkorb und Konto), die Seitenüberschrift und dann der Inhalt erscheinen. Alles andere kann danach folgen.
6. Keine Weiterleitungen oder Splash-Seiten. Nicht jeder Text-Browser unterstützt HTTP-Equiv-Refresh. Ist es die Verwendung dennoch unausweichlich, sollte man den selben Link noch einmal auf die Webseite setzen.
7. Image-Maps sind zu vermeiden, da einige Text-Browser, darunter auch Lynx bei Image-Maps Probleme haben. Man kann stattdessen zerstückelte Bilder mit ALT-Tags verwenden, oder falls der Aufwand zu groß wäre (Postleitzahlenkarte), auch eine optionale Eingabemethode anbieten. Ein Textfeld zum Beispiel.
8. Keine Popups. Popups fallen bei nicht behinderten Surfern schon unangenehm auf. Für Benutzer die einen Text-Browser verwenden werden sie erst gar nicht dargestellt.
9. Keine Clubs. Für Menschen die keinen »Standard«-Browser verwenden, wie z.B. den Internet Explorer, ist es ziemlich frech diese gleich auszusperren. Nicht behinderte Menschen haben noch die Gelegenheit den geforderten Browser zu verwenden, wenn Sie von dieser unhöflichen Methode nicht schon längst abgeschreckt wurden. Sehbehinderte haben hier keine Ausweichmöglichkeit. Absolut verboten.
Sicherlich gibt es noch ein paar Sachen mehr zu beachten. Es steht jedem frei seine Ideen in der Kommentarfunktion zu hinterlassen. Es bedarf, wie man sieht, nicht sehr viel Aufwand um eine Internetseite Behindertengerecht zu gestalten.

15 Kommentare
Ich versteh nur nicht, wenn ein Blinder schon die Normale Seite nicht sehen kann, wie soll er dann in nem Text-Browser lesen können? Ich glaube auch nicht das sich dieser, jenes vorlesen lässt, denn das würde ja ewig dauern.
grüße
sharkx
Der Text der Internetseite wird auf einer Blindenschrift-Tastatur ausgegeben. Wie im Text oben beschrieben. Blinde können mit den Fingern von dieser dann ablesen.
Ob man sich das vorlesen lässt, kommt auf den Grad der Behinderung an. Das müssen nur sehr wenige machen. Aber stell dir mal vor ein Narrator (Computer-Stimme) liest ständig [pixel1×1_weiss1783723478.gif] wie es in der Spiegel-Seite vorkommt. Das ist doch furchtbar.
Juhee… meine Seite ist mit Lynx benutzbar.
Aber wie istd as bei Dir mit dem Kommentar-Code?
Stimmt. Durch den Captcha werden nicht nur Maschinen ausgeschlossen, sondern auch Blinde. Vielleicht sollte ich meine E-Mail-Adresse als Alternative anbieten. Guter Punkt.
Ok, ich habe beim Captcha-Bildchen nun einen ALT-Tag hinterlassen der folgend lautet: »Sehbehinderte sehen hier leider aus technischen Gründen keinen Kommentar-Code. Bitte schicken Sie mir Ihren Kommentar zu diesem Beitrag per E-Mail an thilo@hardtware.de. Ich werde ihn dann unter ihrem Namen posten. Danke.«
Thilo, Du übertreibst gleich immer wieder
Thilo, danke für den Mail-Hinweis. Gefällt mir außerordentlich gut, dein Blog, habe es gleich in mein NNW importiert. Zu deinem Beitrag habe ich (abgesehen von so kleinen Sachen wie Alt-Tags statt Alt-Attribute bzw. -Texte, richtiger statt semantischer Aufbau etc.) nur ein paar kleine Anmerkungen
Barrierefreies Internet sollte nicht auf (Seh-)Behinderte oder auf blindengerechtes Webdesign reduziert werden. Der Gedanke dahinter ist doch noch viel größer und aufregender: Ein schnelles, zugängliches und verständliches Internet für *alle*. Benutzerorientiert eben.
Behindert != blind. Schon eine verstauchte Hand kann uns dazu zwingen, eine Zeit lang nur die Tasten anstelle der Maus nutzen zu müssen. Nun schalte mal zusätzlich alle Grafiken aus oder sieh dir alle besurften Seiten einige Tage nur noch via Fangs an oder lass sie dir von einem Screenreader vorlesen…
Motorisch behinderte Menschen können zwar sehen, ihnen fällt jedoch die Bedienung schwerer. Menschen mit Gehörschäden/-behinderungen sind evtl. in und mit einer völlig anderen Sprachwelt aufgewachsen und haben Schwierigkeiten, Fremdwörter, Fachbegriffe oder unnötig komplexen Satzbau zu verstehen.
Suchmaschinen-Robots sind auch behindert: Sie sehen nur Text, semantisch ausgezeichnet oder nicht, keine Grafiken, kein Javascript-Verständnis.
Textbrowser? Ja, Lynx ist ein Textbrowser. (Für den Mac gibt es übrigens auch eine Lynx-Version; aktuell auf meinem Powerbook: Lynx 2.8.5d16 mit SSL-Support; kann hier runtergeladen werden: http://www.apple.com/downloads/macosx/unix_open_source/lynx.html. Vorteil gegenüber der Delorie-Version: echtes Look-and-Feel, Kontakt-/Kommentar-/Eingabeformulare funktionieren etc.) Von Blinden werden Textbrowser jedoch weniger genutzt, eher von Entwicklern, quasi als Korrektiv. Erstere nutzen vielmehr die Braille-Zeile (eine Schnittstelle, die 40 bis 80 Zeichen pro Zeile einliest) oder einen Screenreader, der in der Regel auf dem IE aufsetzt und die Inhalte der Seite vorliest (und ja, Blinde gewöhnen sich so sehr an die mechanische Stimme eines Screenreaders, dass sie die Vorlesegeschwindigkeit derart hoch einstellen, dass man als »normaler« User gar nichts mehr versteht).
Was mir auch noch fehlt bei einem Artikel über »barrierefreies Internet«, sind die Verweise auf BITV und WCAG und die Kriterien, die daraus für die Gestaltung zugänglicher Websites abgeleitet worden sind:
Kriterien für Barrierefreiheit, BIENE-Award
http://www.biene-award.de/award/kriterien/krit.cfm
BITV (bei wob11.de)
http://wob11.de/gesetze/a_bitv.html
Web Content Accessibility Guidelines 1.0 (hierauf basiert die BITV):
http://www.w3.org/TR/WCAG10/full-checklist.html
Einfach für Alle
http://www.einfach-fuer-alle.de/
… und noch ganz viele weitere Links rund ums Thema:
http://www.webaccessibility.de/
Ich wünschte jeder Leser würde solch einen ausführlichen Kommentar schreiben. Besonders die Links auf die Web Content Accessibility Guidelines und BITV sind eine echte Bereicherung.
Danke, Marcus.
zu der Captcha-Bildchen: wie wäre es, wenn man im Alt-Tag die Ziffern mit Worten verwendet?
Also: `dein Code lautet neun eins drei irgendwas.´
Was das ganze mit dem CAPTCHA-Bildchen ab absurdum führen würde. Man könnte dann eigentlich gleich den Text, wie du vorgeschlagen hast, »verschlüsselt« auf die Webseite schreiben und nicht im ALT-Tag »verstecken«. Also »neun eins drei irgendwas«
Damit würde man Blinden sicherlich einen Schritt entgegen kommen. Aber Spam-Bots ebenso.
Solange Spam-Bots auf meinem Weblog öfters sind als Blinde, muss ich meinen sehbehinderten Lesern dieses Übel mit den Kommentaren zumuten. So leid es mir tut.
Hallo lemming,
so ganz stimmt das nicht, dass Screenreader auf Text-Browsern aufsetzen.
Die meisten haben eine Schnittstelle zum Internet-Explorer und nutzen den. So sind durchaus auch Frames zugänglich (wenn auch nicht unbedingt komfortabel) und teilweise sogar Flashseiten (S.auch hier: http://www.macromedia.com/macromedia/accessibility/features/flash/faq.html )
Am besten ist ein Selbstversuch. Hier gibt es JAWS (geht natürlich nur unter Windows und im Zusammenspiel mit dem IE): http://www.freedomsci.de/serv01.htm
Läuft 40min. - danach muß der Rechner neu estartet werden. Falls man dann noch mag - ist nämlich wirklich anstrengend, vor allem auf Seiten, die nicht barrierefrei sind.
Statt CAPTCHA per Bild könnte eine vorgeschaltete Vorschaufunktion dafür sorgen, dass kein Spam so einfach ins Weblog gerät.
Nach den Erzählungen vieler Wordpress-Nutzern* haben sie gute Erfahrungen damit gemacht.
*) falls es Wordpress war; sorry, ich weiß es nicht mehr Fragt zum Beispiel Gerrit van Aaken, der nutzt es.
Hallo,
den Lynx-Browser kann man sich übrigens unter http://www.mein-dortmund.de/browser-lynx.html herunterladen (auch für Schalke-Fans geeignet ).
Und der G. van Aaken benutzt textpattern und nicht Wordpress!
Gruß
Michel
Hallo erstmal,
und schonmal ein großes Kompliment, also ein paar der Informationen haben mich echt weitergebracht. so.
der letzte Eintrag ist ja schon ne Weile her, aber ich habe da noch sone Frage.
Ich brauche eine Demoversion von einem Screenreader, der nicht nach 40 min. meinen Rechner neu startet. Leider finde ich keine screenreaderdemos im netz, wenn ich überhaupt mal etwas in die richtung finde.
irgendwie lassen sich alle immer nur über die Nützlichkeit und das “was muss ich beachten” aus…. aber keiner zeigt mal programme auf, die sehbehinderten (z.b.) die Seite vorlesen…
könntet ihr mir helfen?
Vielen Dank!
Hi
Also ich versuche seit einiger Zeit neue Seiten an denen ich arbeite barrierefreier zu gestalten als früher (ich sag extra barrierefreier, weil es immer wieder Punkt gibt an denen man zurückstecken muss) - ich hab z.B. immer noch Probleme das Design einer seite nur mit CSS und DIV und komplett ohne Tabellen zu gestalten (es geht dabei einfach auch um Gewohnheit und können der Entwickler - es ist erheblich einfacher auf althergebrachte Weise eine seite zusammenzubasteln als viel Zeit zu investieren um ein solches anderes Design zu basteln - denn beim besten willen - eine komplexte Seitenstruktur nur mit DIV und CSS (z.B. vertikales Zentrieren) - ich fühle mich dazu momentan (noch) nicht wirklich in der lage.
Aber natürlich verfolge ich das Thema immer wieder und hole mir auch anreize. Und nun bin ich hier auf ein interessantes Problem gestoßen… Die Sache mit den CAPTCHA-Codes… Für diese Kommentare hat sich ja mit dem alt-text noch eine gute Lösung gefunden, aber was macht man bei Seiten, die solche Erkennungen für den Login nutzen? Ich finde ja es hat durchaus Sinn solche Bildchen zu nutzen um z.B. Brutforce-Angriffe gleich abzuschlagen…
Gibt es da andere Ideen, oder Ansätze, die Blinde in solchen Fällen nicht aussperren?