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Wie Plattenlabels MP3-Dateien in P2P-Börsen korrumpieren

August 27, 2004

Mit den P2P-Börsen entstanden ganze neue Wirtschaftszweige. Firmen die sich darauf spezialisierten die Benutzer solcher Börsen auszuspionieren. Diese machten Listen über die zur Verfügung gestellten Archive. Forderten die Adressdaten über den ISP an um zum Schluss den P2P-Teilnehmer vor Gericht zu zerren. Diese Methoden sind natürlich nur ein Tropfen auf den heissen Stein. Es geht nur eine geringe Promillezahl den Jägern ins Netz. Es dient einzig und allein der Abschreckung - was sich aber auch in Grenzen hält. Amerikaner wiegen sich aufgrund der hohen Teilnehmerzahlen weiterhin in Sicherheit. Ausländer hingegen brauchen vor den Schergen der RIAA erst recht keine Angst zu haben. Wie bei Spam gibt es auch hier nur die Möglichkeit mit technischen Mitteln das Verbreiten von Raubkopien zu unterbinden. Das haben auch die Plattenlabels, unabhängig von der RIAA, erkannt. P2P »Marshall Records« von Eminem der unter anderem auch Künstler wie »50 Cent« unter Vertrag hat, hat eine Firma engagiert die Musikdateien in P2P-Börsen korrumpieren. Der Trick ist einfach. Bereits weit verbreitete Musikdateien werden herunter geladen und verstümmelt. Aber so, dass die P2P-Clients dies nicht bemerken und sie weiterhin für valide MP3-Dateien halten. Diese werden wieder zum herunterladen angeboten. Anders als bei Napster anno dazumal laden die anderen angeschlossenen P2P-Teilnehmer nicht nur von einem, sondern partiell von anderen Teilnehmern. Das Resultat. Beim Abspielen der anfänglich für i. o. gehaltenen MP3-Datei treten unschöne Geräusche (Trommeln), stille Momente und Fehler (Player stoppt oder »springt«) auf. Dies scheint einem von Anfang an nicht aufzufallen oder mag einen nicht stören, da es ja nur an wenigen Stellen so ist. Die fehlerhaften Dateien werden weiter »geshared«. Andere Benutzer laden sich Teile der Fehler von verschiedenen weiteren Quellen ebenfalls herunter. Die Lawine ist nicht mehr aufzuhalten. Die Fehler verbreiten sich so rasend, bis ein fehlerfreies Laden der MP3-Datei aus der P2P-Börse nicht mehr möglich ist. Das Kunststück ist gelungen. Die Quelle wurde unbrauchbar gemacht.

8 Kommentare

g3no ·

Und wer hat das p2p Bombing erfunden?
Madonna mit Ihrem berühmten “What the fuck you think you are doing here?
Ich wusste auch mal den Link zu der Firma welche verantwortlich war für das einbringen in die p2p Netze.Da stand genau wie und mit welchem Aufwand sie es gemacht haben. Ist mir aber leider entfallen der Link.

Frank ·

der Hut ist doch alt, und vor ein paar jahren wusste ich noch, welche Firma damit angefangen hat…

lemming ·

Ja, aber ich wollte uach einmal so eine lange Headline. Btw. die zerstört mein Layout. *Grml*

Uli ·

mal prinzipiell anders - aber in gleicher Art. Der Mensch zerstört sich durch das Anlegen minderwertiger Kopien die Qualität der Originale. Man möge sich nur vorstellen, dass Firma A bemerkt dass Firma B gleiche Teile herstellt. A entwickelt weiter und lässt über C fehlerhafte Konstruktionen im Originalteil nachweisen. Ein schlechtes Gefühl vor allem im Bereich von Kernergie, Autoindustrie oder Automationstechniken. Nicht denkbar? Ich glaube schon - spontan fällt mir die Autoindustrie mit ihren 3rd Party Ersatzteilen ein. Ich weiss nicht warum aber es hinterlässt bei mir einen faden Beigeschmack. Letztlich sinkt die Gesamtqualität - auch die des Originals.

lemming ·

Da gab es doch einen Artikel in einer MacUP vor ein paar Monaten. Dort wurde ebenfalls die Befürchtung von schlechten Kopien geäußert. Tante Spiegel hatte da auch einen Artikel auf lager, in dem vor MP3-Dateien »gewarnt« wurde. Die Komprimierung würde angeblich den Hörer unruhig machen, etc. Naja, Tante Spiegel eben.

manuel ·

ah… irgendwie hakt die erklärung…

die meisten fortschrittlichen tauschbörsen arbeiten doch mit datei-hashs (md5-prüfsummen z.b.). ist es denn möglich, die prüfsumme einer ordentlichen datei mit einer kaputten oder inhaltlich unterschiedlichen datei exakt nachzubilden? ich denke nicht, oder? dafür sind prüfsummen doch da…

habe ich etwas übersehen?

lemming ·

Zugegeben, den selben MD5-Hash aus einer korrumpierten Datei wie aus einer unkorrumpierten Datei zu erzeugen ist nicht möglich.
Es ist aber ebenso nicht möglich den Hash einer vollständigen Datei mit einer Datei die gerade mal in wenigen Fragmenten herunter geladen wurde zu vergleichen. Dennoch dienen fragmentierte Dateien anderen P2P-Teilnehmern bereits als Download. Bei gIFT und FastTrack zumindest. Also wird hier keine Checksumme aus der kompletten Datei gebildet.
Neben dem Verfahren, das ich im Artikel erklärt habe, sind die Plattenlabels nun übergegangen den Leuten irgendwelche 5,52 MB großen Dateien unterzujubeln, die natürlich 192KBit haben, aber nur Rauschen beinhalten.

Manuel ·

P2P ist doch wieder ein alter Hut, es werden längst ganze Alben wesentlich schneller über Upload-Portale geshart. Ich bitte euch, wer wartet schon eine halbe Ewigkeit, bis das file auf Platte ist. In der gleichen Zeit habe ich locker mehr als 6 Alben zusammen…

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