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Es war einmal…

August 02, 2004

MS Word für DOSMein Vater war in den Achtzigern Computerhändler und rüstete Firmen mit deren ersten EDV aus. Pionierarbeit ohne Zweifel. Zumal niemand wirklich Ahnung davon hatte. Ganze Nächte verbrachte er damit IBM-Wälzer zu lesen und Computer zusammen zu bauen. Das war vor nun mehr als 17 Jahren. Als 7-Jähriger interessierte man sich noch nicht für’s erste Microsoft Word das auf den zwei IBM ATs lief, die mein Vater in seinem Büro stehen hatte. Mein Bruder und ich interessierten uns eher für Larrys Land of Lizard und Police QuestPolice Quest 1 von Sierra. Diesen beiden Spiele allein verdanke ich meine vorschulischen Englischkenntnise. »take radio«, »look«, »say rights«, »take nightstick«, »check car« und »kent send me«. Die Grafiken waren mehr als scheusslich, aber das wusste man früher noch nicht. Fasziniert von dieser Technik schaute ich meinem Bruder über die Schulter und versuchte zusammen mit ihm und einem Langenscheidt die Fälle von Sonny Bonds zu lösen oder Larry Laffer zum Beischlaf zu verhelfen.

Einige Jahre später bekam mein Burder seinen eigenen PC. Einen ausrangierten Schneider PC 286. Mit nunmehr nur noch vier Farben. Auf diesem Computer spielten wir dann Prince Of PersiaPrince Of Persia 1, ohne es je wirklich durch gespielt zu haben. Wir waren einfach zu schlecht. Englisch musste man nicht mehr können, dafür aber fechten. Das konnte mein Bruder besser als ich, denn ich scheiterte immer am Skelett im dritten Level. Meine cholerischen Wutausbrüche bekam ich schon damals, wobei ich mit dem Stuhl kippte und mit dem Hinterkopf auf die Bettkante fiel. Meine erste Kriegsverletzung beim Kampf mit der Technik (respektive Kellerskelett) war eine Platzwunde. Wieder Jahre später hatte mein Bruder einen 386 PC. Darauf spielte er Wing Commander I und II und etliche andere MicroProse und Virign Spiele. Als er mit der Lehre begann, hatte er auch richtig Kohle und so kaufte er sich einen 486 DX2 50 und kurz darauf noch ein CD-ROM Laufwerk. Dieses funktionierte damals nur in Verbindung mit einer Soundblasterkarte und einem Caddy. Damit konnte er (und ich auch) nun Strike CommanderStrike Commander von Chris Roberts spielen. Seinen alten 386 erbte ich. Meine Karriere als Programmierer begann genau zu dieser Zeit im Alter von 13 jahren. Ein Freund aus meiner Schulklasse zeigte mir QBasic auf seinem PC. In ein paar Stunden hatte er mir alle wichtigen Kommandos erklärt und ich konnte selber mit der Programmierung beginnen. Mein erstes Programm war natürlich eine Passwortabfrage. Diese konnte man aber sehr leicht mit STRG+Pause abbrechen. Was aber nur Insider wussten ;). Das erste richtige Programm war ein Quizspiel, das immer die selben Fragen fragte und nur MultipleChoice zulies. Es war aber in dem Jugendverein in dem ich damals war, sehr erfolgreich. Meine Freunde und ich begannen alles zu programmieren was uns einfiel. Wir traten einer Computer AG in der Schule bei, in der uns ein sehr netter Lehrer weitere Kniffe in Sachen Programmierung bei brachte. Ich stellte dort ein Programm vor das per Nullmodemkabel mit einem anderen Computer »chatten« konnte und ein eigenes Textverarbeitungsprogramm das sogar auf meinem Star NL-10 Nadeldrucker (popblige 9-Nadeln) ausdrucken konnte. Zwischenzeitlich hatte mein Bruder sich einen Pentium 75 gekauft. Die Spiele die nun darauf liefen waren wirklich aufregend. Wochenenden gingen drauf indem wir fremde Planeten mit Raumschiffen besuchten (David Braben - Elite 2) und Geisel befreiten (Microprose - Special Ops u. Cannon Fodder). Mein Lehrer der Computer AG steckte mir noch Quick Basic 7.4 zu, mit dem ich nun endlich echte EXE-Dateien compilieren konnte - eine neue Ära. Auf der nächsten Schule auf der ich war, bekam ich von meinem DV-Lehrer Visual Basic 4.5 zugesteckt. Wieder eine neue Ära. Damit konnte ich zwar nur in 16 Bit, aber immerhin meine ersten Programme für Windows programmieren. Die ersten Versuche stellte ich ins Internet zum download. Ich sties bald an die Grenzen von Basic an sich. Im folgenden Berufskolleg bekam ich von einem Klassenkameraden Delphi 3 zugesteckt. Von nun an programmierte ich Tag ein Tag aus. Die Sprache gefiel mir sehr. Sie war logisch, man konnte sehr einfach komplexe Dinge damit anstellen. Zwischenzeitlich hatte ich den Pentium 75 meines Bruders und einen eigenen Pentium 166. Wir beide lasen die PowerPlay PowerPlay 11/93und gaben unsummen von Geld für Spiele aus. Nicht nennenswert waren die darauf folgenden AMD 333, AMD 500 bis zum Schluss der AMD Duron 800 kam. Auf dem lies ich noch Windows XP laufen, das ich so schnell wie möglich wieder verkaufte und durch Mandrake Linux ersetzte. Meine Leidenschaft zu Computern hatte mir bis dato zu meinem Job als Fachinformatiker für Systemintegration verholfen. Meine Leidenschaft zum Programmieren lies mich nach einem Jahr Systemintegration zur Anwendungsentwicklung wechseln, worüber ich heute noch sehr glücklich bin. Das Windows XP nicht die Zukunft sein kann, wurde mir schnell klar. Aber was gab es für Alternativen? Linux war noch viel schlimmer zu bedienen. Zuhause häuften sich die Dinge die ich an den Computern hätte machen sollen, damit ich sie überhaupt verwenden konnte. Dazu noch Freundin, Hund und Familie liesen da nicht viel Platz. Ein Freund hatte einen Apple Performa 5200 Performa 5200bei sich stehen und wollte ihn nicht mehr haben. Er hatte sich einen Beige G3 mit Mac OS 9 gekauft. So bekam ich ihn mit allen CDs und Heften (MacMagazin) die er dafür hatte. Mein Windows PC streikte mal wieder aus irgendwelchen Gründen. So hatte ich Zeit mich mit dem Performa genauer zu beschäftigen. Ich schaltete ihn ein und der Startsound erklang. Kurz darauf kam das Mac OS Gesicht. Er lächelte mich an. Dieser Computer lächte mich gerade an? Er kannte mich doch noch gar nicht. Die Oberfläche fand ich auf Anhieb wohl durchdacht. Alles machte einen Sinn. Ich hatte meine Zukunft gefunden. In nur drei Stunden hatte ich den Performa kapiert und konnte mit ihm arbeiten. Beim nächsten Start meldete sich eine Shareware. »Sie benützen diese Shareware seit nun mehr als 4 Jahren 6 Monaten. Wollen Sie sie nicht endlich registrieren?«. 4 Jahre und 6 Monate. In dieser Zeit hatte ich meine Windows-PC ca. 10x neu installieren müssen. Die Entscheidung war gefallen. Für meinen Duron 800 mußte ich schon fast draufzahlen um ihn los zu bekommen. Ich kaufte mir ein iBook und einen Kugel iMac. Das Experiment gelang. Ich hatte wieder mehr Freizeit und auch Spaß daran irgend etwas mit meinem Computer zu machen. Ich würde nie wieder zurück gehen.

Anregungen habe ich mir bei Semmel und Huflaikhan geholt, die ebenfalls in Techno-Nostalgie schwärmen.

3 Kommentare

aha ·

No so ähnlich bin ich auch geswitcht. Nur bin ich noch mit Windows XP unterwegs.

lemming ·

Geschäftlich bin ich auch noch mit Windows 2000 unterwegs. Ich bin jeden Abend heilfroh wenn ich diese Baustelle hinter mir lassen kann. Ich programmiere ja sogar noch für diese Plattform. Unterstütze sie also auch noch. Aber mit programmieren unter Mac OS würde ich keine Stelle finden. Zumindest nicht so leicht - und erst recht nicht jetzt.

aasd ·

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