In der Fabrik habe ich drei Monitore, drei wirklich sehr, sehr große Monitore, in die ich jeden Tag starre. Drei Monitore deshalb, weil man als Programmierer unglaublich viel Platz benötigt um effizient arbeiten zu können. Die heutigen grafischen Benutzeroberflächen sind leider nicht sehr perfekt, und mal ehrlich, wer nutzt tatsächlich die Möglichkeit zwei Fenster nebeneinander anzuzeigen? Oder sie in ihrer Größe zu ändern. Ein unglaubliches Gefrickle ist es jedesmal das wieder so hin zu bekommen, wie es war und man es haben will.
Heute habe ich zufällig mit meinem Chef-Sysadmin darüber gerede, dass wir gerne auch mal einen anderen Windows-Manager benutzen könnten als Gnome. AFAIK hat ein Programmierkollege sogar KDE bei sich installiert. Ich würde - wenn ich die Option habe - eher zu etwas simpleren tendieren, als zu einem fetten KDE oder Gnome. Die Rede war dann von Ion, das einen etwas anderen Ansatz verfolgt als üblich.
Bei Ion werden Fenster nicht übereinander angeordnet und durch eine Z-Achse voneinander getrennt, sondern die gesamte Oberfläche des Monitors wird in Frames zerteilt, die von den Programmen ausgefüllt werden. Das ganze lässt sich sehr schön über Tastaturkürzel erledigen - die man zugegeben erstmal auswendig lernen muss - danach geht es aber sicher raketenschnell zwischen den Fenster hin und her zu springen und trotzdem ALLES im Überblick zu bekommen. Zusätzlich können die einzelnen Frames noch Tabs haben, mit denen man sie mit anderen Programmen doppelt und dreifach belegen kann. Auch hier kann man mit den Tastenkürzel hin und herspringen. Die Webseite von ion verspricht, wenn man der absolute Crack beim auswendig lernen der Kürzel ist, dann kann man arbeiten ohne je wieder die maus anfassen zu müssen. Geil!
Vielleicht endlich der Allheilsbringer mit dem ich nicht noch eine vierten Monitor anbauen muss.
Ion scheint eine größere Fanbase zu haben, allerdings macht mir der Geisteszustand des finnischen Chefentwicklers etwas Sorgen, dass ich auf ein totes Pferd setze. In seinem Blog hat er erst kürzlich verlauten lassen, dass er wegen dem unzulänglichen Linux nun zu Windows XP gewechselt sei - wtf. Ansonsten verlangte er früher von den Paket-Managern der einzelnen Linux-Distributionen, dass sie das Ion3-Paket nach spätestens 28 Tagen ohne Änderung als “unsupported” oder “old” markieren.
Ich versuche hier - in meinem sträflich vernachlässigten Blog - die nächste Woche darüber zu berichten, wie es mit Ion läuft und ob ich auf ewig den Z-Achsen-Fenstermanagern entsage.
Update Jetzt habe ich den Nachmittag mit Ion3 verbracht und muss sagen, dass ich wirklich begeistert bin. Tastenkürzel gibt es gefühlt 100 Stück. Das installieren war ein bisschen ein Act, weil mein Ubuntu wegen den Grafikkartentreibern total veraltet ist. Mal sehen wie sich Ion3 im Alltag schlägt.
Update Kdevelop scheint Ion nicht zu mögen. Wenn ich die Ion3-Session speichern möchte, schließt Kdevelop alle offenen Code-Fenster und einige Plugins. Wenn ich das nicht mache, ist alles okay mit Kdevelop.
Update Am Wochenende habe ich ein wenig etwas progrmmiert und ich muss sagen, ab und an drücke ich noch die Tab-Taste um zwischen den Fenstern springen zu wollen, aber wenn ich das einmal abgelegt habe, dann wird’s mit Ion richtig flutschen. Jetzt muss ich nur noch rausfinden, wie ich das Teil auf meinem Mac zum Laufen bekomme. Ein paar Anwendungen die etwas zicken, habe ich schon ausgemacht. U. a. Sunbir, das ohnehin bei allem zickt und total buggy is,t und Kdevelop bei dem die Dialoge irgendwie anders behandelt werden.

5 Kommentare
Gab’s das nicht auch mal für den fvwm2? Gut, nicht dass irgendwer den nutzen will. Aber ich meine, man konnte den auch so hinbiegen, dass er alle Fenster auf dem Schirm verteilt hat.
Ich bin ja auch ein Fan von mind. Splitscreen. Und mind. 2 Monitoren, damit man was schafft. Auf Windows und Mac schiebe ich mir die Fenster aber auch immer per Hand hin.
Eine Sache an Windows 7 ist sehr praktisch um den Inhalt von 2 Fenstern einfach zu vergleichen: Zieht man ein Fenster an den rechten oder linken Bildschirmrand nimmt es den halben Bildschirm ein.
Mir passiert es oft das ich versehentlich Safari oder iPhoto verschiebe. Da Safari ein paar Pixel unter einem Lesezeichen sich auch verschieben lässt. Intelligent verankerte Fenster vermisse ich sehr. Ion wäre wohl auch was für mich.
Wünsche: Eine Taste auf der Tastatur um zwischen den 2 zuletzt benutzten Fenstern hin und her zuschalten. Unter Windows hat man dafür Alt-Tab. Auf dem Mac funktioniert das leider nicht wegen dem überlegenen App-Ebenen-Konzept.
Ion ist doch schon eine ziemliche Umstellung. Leider merkt man erstmal, wenn man damit arbeitet wie viele Fenster man am Tag hin und her geschubst hat. Ebenso wie viele Dialoge es doch gibt - die zum Glück bei Ion über dem jeweiligen Frame dann liegen und nicht irgendwo auftauchen.
Programme die etwas was wollen (Dialog) kann ich mit Alt+K+K in den Vordergrund holen und den Dialog mit Tastenkürzel auch wieder schnell schließen. Sehr praktisch.
Noch ein Update zu Thunderbird. Kleiner Nebeneffekt der Aktion war, dass Thunderbird irgendwie alle Passwörter und Mailheader verloren hat - warum auch immer.
Sehr zu empfehlen ist aus XMonad, das problemlos mit Gnome/KDE/Xfce arbeitet.
Die Safari 4 Beta hatte übrigens Tabs in der Titelleiste, ähnlich Ion. Hat es leider nicht in die finale Version geschafft. Sehr schade.
http://www.arnekolja.de/2009/02/25/ein-tag-erfahrung-mit-dem-safari-4-beta/