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Alles begann in Palo Alto

September 17, 2004

Xerox AltoHeute beginne ich eine kleine Serie über die Geschichte der GUI (Graphical User Interface). Ich mache diese Serie, da anscheinend ein echter Nachholbedarf besteht. Bei einem kleinen Gespräch unter Fachinformatikern wurde mir gesagt, dass es gut ist das Microsoft so groß geworden wäre. Sonst würden wir ja heute alle noch mit C:\> arbeiten… Ich weiß zwar dass das Wörtchen »Fach« in Fachinformatiker darauf hinweist, dass man es nicht mit einem Allround-Genie zu tun hat, der alles wissen kann/soll/muss. Aber dass Microsoft das GUI erfunden und uns von DOS befreit hat, wiederspricht dem was ich gelernt habe. Vielleicht hat er das auch auf einem der zahlreichen »Microsoft Certified Professional«-Kursen aufgeschnappt. Um diese Bildungslücke zu schliessen, werden ich im Laufe dieser Serie einige Betriebssysteme durchnehmen die es verdient haben erwähnt zu werden.

Wir beginnen 22 Jahre vor Windows 95 - 1973. Die Firma Xerox betreibt das Palo Alto Research Center kurz, PARC genannt. Die Firma Xerox lebte (und lebt) von Kopiermaschinen und hatte Angst vor dem »Papierlosen Büro«. Man war der Meinung das es in spätestens 20 Jahren kommen würde. Dann wäre es mit Kopiermaschinen endgültig Schluss. So dachten die Manager von Xerox. Daher gaben Sie den Wissenschaftlern vom PARC alle Mittel die sie brauchten um später auch was vom Kuchen ab zu bekommen. 1973 wurde der erste funktionsfähige Alto fertig gestellt. Er hatte für damalige und zehn Jahre späteres Verhältniss eine aussergewöhnliche Ausrüstung. Ein GUI, eine Maus, eine Netzwerkkarte und einen Drucker. Die Maus wurde erst fünf Jahre zuvor von Douglas Carl Engelbart erfunden. In Zeiten in denen man die Ausgabe auf Druckern machte statt auf Bildschirmen war diese Methode revolutionär. Der Alto wurde zu Anfang in einen Tisch eingebaut. Der Monitor war höher als breiter und konnte eine komplette Seite mit einem WYSIWYG-Editor anzeigen. Es ist Ironie der Geschichte, dass die massgeblichste Erfindung des PARC, das GUI, für den Durchbruch der Computer in den Büroetagen sorgte. Dazu kam noch dass das »Papierlose Büro« nie Wirklichkeit wurde. Der Alto wurde nur in geringen Stückzahlen gebaut und kostete ein Vermögen. Es wurden nur 1100 Stück gebaut. Er war schlicht ein herausragendes unbezahlbares Proof-Of-Concept. Acht Jahre später brachte Xerox den Star auf den Markt. Mit einem ähnlichen Aufbau wie der Alto, jedoch mit Doppelklick, überlappenden Fenstern und einer monochromen SVGA Auflösung. Im selben Jahr erschien MS-DOS Version 1 für IBM-PCs. Wir erinnern uns, 320×200 Pixel und einem Zeileninterpreter wie geschaffen für die Ausgabe auf Druckern und nicht auf Monitoren.

3 Kommentare

martzell ·

Ein Bekannter meinte auch mal wir können froh sein das uns Microsoft mit so tollen Produkten wie Windows und Office beglückt. Was damit alles möglich sei…

Wenn man nicht weiß dass es Besseres gibt ist man froh über das was man vorgesetzt bekommt. Deswegen muss Apple den Vertrieb verbessern. Vor kurzem sah ich wie im Multimedia Schorndorf ein Jugendlicher einen Phillips iPod in Schwarz kaufte. Vielleicht hätte er sich für den kleineren einfacher zu bedienenden iPod entschieden, wäre dieser dort vorhanden gewesen. Den iPod könnte Apple wirklich in jedem Supermarkt verkaufen.

Außer dem Vertrieb muss Apple mehr Werbung für einen Einsteiger Mac für 999 EUR machen. In den Media Markt Prospekten wird mit großen Zahlen gepunktet (oder auch nicht; wenn ich technische Angaben nicht verstehe schiebe ich den Kauf auf, bis ich Klarheit gewonnen habe. Die meisten Durchschnittsmenschen wissen nicht von Geburt an was HyperThreading, Bluetooth, USB 2.0 oder DDR-RAM ist).

400 GB Festplatte (wurde wirklich angeboten), 1024 MB RAM, 3.5 GHz. Da kann Apple nicht mithalten. Deswegen müssen Merkmale ins Blickfeld gerückt werden wie: Flüsterleise, kompakt und einfach. Apple muss den Leuten klarmachen dass ein dünnes und leichtes Notebook mit 6 Stunden Akkuleistung cooler ist als ein billiges Aldi Notebook mit 120 GB 3,5 Zoll Desktopfestplatte und stromfressendem Desktopprozessor.

Mit einem Einsteiger Mac werden die Kunden gefangen. Denn wer sich einmal an die Leichtigkeit des Macs gewöhnt hat, für den wird Windows zur Qual. Zumindest habe ich bereut damals auf Windows 98 umgestiegen zu sein.

lemming ·

Hey super Link. Danke für den Tipp. Das werde ich mein Computer-Museum noch mit einbauen.

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