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Entwicklungshilfe durch Mikrokredite

September 13, 2007

Vor einigen Monaten habe ich einen Dokumentation bei arte gesehen, bei der es über Mikrokredite ging. Die Definition von Mikrokrediten aus Wikipedia:

Mikrokredite sind Kleinstkredite von einem Euro bis unter 1.000 Euro an Kleingewerbetreibende überwiegend in Entwicklungsländern. Sie sind neben Mikroversicherungen und micro savings eine wesentliche Mikrofinanz-Dienstleistung. Die Kredite werden in der Regel von spezialisierten Finanzdienstleistern und nichtstaatlichen Organisationen meist zur Förderung der Entwicklung vergeben.

Der Fokus der Dokumentation lag auf Menschen in der Dritten Welt, die mit solchen Krediten erst ein Geschäft möglich machten.
Da war eine malaysische Bäuerin, die sich mit einem Mikrokredit von 150 Dollar u. a. ein Fahrad gekauft hatte um gepackte Bambus(???)-Sträucher auf den Markt in der nächsten Stadt fahren zu können. Innerhalb weniger Monate konnte Sie Ihren Kredit schon wieder zurückzahlen - noch ehe die Restlaufzeit vorüber war.
Ich selbst scheue Kredite wie der Teufel das Weihwasser, aber Mikrokredite als Entwicklungshilfe empfand ich als eine fabelhafte Idee.
Just heute bin ich über einen Blogeintrag von Andreas gestolpert, dass man nun selbst Mikrokredite an Menschen auf der ganzen Welt - insbesondere in der Dritten Welt - vergeben kann - über kiva. Andreas hat Julia aus Honduras Geld geliehen, damit sie ihren Süßigkeitenladen, den sie zusammen mit Ihrem Sohn bewirtschaftet, weiter ausbauen konnte.
Ich selbst habe einem irakischen Metallarbeiter Geld geliehen, damit er seine Schmiede/Schweißershop weiter ausbauen kann. Ziemlich riskant da 1. Irak und 2. ein Mann. Laut der Dokumentation auf arte gibt es in vielen Ländern keine Möglichkeit für Männer an Mikrokredite zu kommen. NROs, die normalerweise solche Projekte leiten, haben mit Männern sehr schlechte Erfahrungen gemacht. Die Raten wurden unpünktlich gezahlt oder das Geld wurde sogar komplett versoffen. Frauen sind da von Natur aus zuverlässiger. Dass diese Entscheidung bei den Männern natürlich nicht gut ankommt, ist klar. Desweiteren stoßen die Entwicklungsprogramme für Mikrokredite in islamischen Ländern, in denen Zinsen verboten sind auf starke Ablehnung.
Insgesamt betrachtet sind Mikrokredite und kiva im besonderen eine super Idee, vernünftig Entwicklungshilfe zu leisten. Ich bin gespannt was aus meinem Investment wird. Wenn ich mehr Kredite vergeben sollte, dann muss ich es so machen wie Andreas und meine Investments streuen um das Risiko zu verringern.

7 Kommentare

at ·

In diesem Zusammenhang vielleicht nicht uninteressant: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/25/25443/1.html

lemming ·

Wucherzins bleibt Wucherzins. Leider geht der Autor nicht darauf ein, wie viele solcher schwarzen Schafe es gibt, sondern nennt nur eins beim Namen.

Das wäre ja so als ob ich das Auto verteufle, nur weil _einer_ damit Leute tot fährt.

martzell ·

Sowohl der Firefox Webbrowser als auch die Zwischenablage, in der ich zur Sicherheit meinen Kommentar abgelegt habe, haben beide meinen Beitrag verloren. Hab jetzt keinen Bock nochmal über Muhammad Yunus, den Bankier aus Bangladesch, der 2006 den Friedensnobelpreis bekam, dafür dass er Armen Leuten die keine Sicherheiten bieten können, Geld leiht, zu schreiben. Ein kluger Satz von ihm ist, dass Armut einen dumm und faul erscheinen lässt.

Tobias ·

Die Idee Mikrokredite und Web 2.0 zusammen zu bringen, finde ich auch genial. Und vermutlich entsteht daraus tatsächliche Hilfe für Einzelschicksale, auch wenn mir nicht ganz klar ist, wie die armen Kreditnehmer den Kontakt zu Plattformen wie Kiva herstellen (liegt aber nur daran, dass ich mir das Konzept bisher noch nicht durchgelesen habe).

Trotzdem kann ich mir insgesamt nicht helfen, irgendwie finde ich, hat das auch was Zynisches. Sich am heimischen PC aussuchen, wem man jetzt die Sichel oder die Schubkarre finanziert - und mit einem Mausklick sich sowohl als Kreditor sowie als altruistischer Menschenfreund fühlen..

Aber wie gesagt, das ist nur ein Gefühl ohne das Konzept genau zu kennen. Entscheidend ist die Wirkung, und die scheint positiv zu sein.

lemming ·

Besser sich als Philantrop aufspielen, als sein Geld für sich zu behalten. Irgendwie sind dei meisten Phialntropen ja Geltungssüchtig und Weltverbesserungswütig - warum nicht per Mausklick?

Die Minikreditnehmer bewerben sich nciht selber bei Kiva, sondern bei einer örtlichen Mikrokreditvertretung - die wiederum an Kiva herantritt - oder andersherum. Die Zinsen kassiert auch nur der örtliche Mikrokreditvertreter und nciht der Mausklicker - evtl. ist da auch eher der Knackpunkt an der Geschichte zu suchen, weil es dann eher als Almosen erscheinen mag, als echtes Geschäft zwischen Geschäftspartnern.

Andreas Dittes ·

ich finde es hald shcon genial, weil es im gegensatz zu spenden 1. nachhaltig ist und 2. extrem viel spass macht. man freut sich, wenn die kuh endlich imlch gibt und trauert mit, wenn die kuh stirbt.
es is keine echte disintermediation, aber ein guter schritt in die richtige richtung…

Msch ·

Ich habe die Doku zu den Mikrokrediten auch gesehen und fand es echt interessant. Auffällig war, dass Frauen bevorzugt wurden und die Kredite sehr zuverlässig zurückgezahlt haben.
An dem Punkt sollte man ansetzen und solche Projekte fördern!

grüße

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