Als Abschluss meines Besuchs der GUADEC 6 in Stuttgart hörte ich mir »Windows Migration Study« mit Anna Dirks und Pete Goodall an. Der Vortrag drehte sich um eine Studie die Anna und Pete bei Novell durchgeführt hatten, um heraus zu finden welche Schwächen im User Interface der GNOME und KDE-Desktop sind.
Anna und Pete führten mit einem transportablen Usability-Labor hunderte von Usability-Tasks (Tests) an Probanden überall auf der Welt durch.
Die Problemstellungen reichten von Hintergrund ändern über feststellen wie viel Speicherplatz auf der Festplatte frei ist, bis hin zu einen neuen System-Benutzer anlegen.
Die Probanden wurden bei ihren Bemühungen mit Video aufgezeichnet. Man muss sagen dass Anna und Pete die Tasks wirklich professionell durchgeführt haben.
Alle Probanden waren Windows-Benutzer und dementsprechend vorbelastet.
Die Videos zeigten gut wie Menschen mit, für Entwickler und Linux-Cracks, selbstverständlichen Dingen nicht umzugehen fähig waren. Erschreckend wie benutzerunfreundlich bei einigen Tasks GNOME und KDE reagierten.
Ein absolutes Hauptmanko waren die vielen Wartezeiten die es in GNOME beim Starten eines Programmes gab. Dem Benutzer wurde kein Feedback zuteil, dass die Anwendungen bereits im Begriff ist zu starten, aber noch nicht auf dem Desktop erscheint. Die Probanden klickten und klickten noch einmal. Sie mussten erst durch füllen des Desktops mit zig »aufpoppenden« gleichen Programmfenstern schmerzlich lernen, dass man auf die Maschine zu warten hat.
Einige Entwickler fanden die Unbeholfenheit der Probanden lustig. Ich für meinen Teil fand es nicht witzig. Anna auch nicht und stellte klar, dass hier die Software, die die anwesenden Entwickler programmiert hatten, die Schuld trägt und nicht die Benutzer.
Gegen Ende begann eine Diskussion, bei der ich mich auch beteiligte, ob GNOME versucht oder versuchen sollte Windows zu kopieren. Ich vertrat die Meinung, das man sich an Windows kein Beispiel nehmen sollte. Aber ein Kompromiss zwischen Windows und höherer Usability unumgänglich sei, wenn man sich nur die installierte Basis von Windows, Macintosh und Linux-Systemen anschaut. Ein Entwickler, der wohl aus dem OpenOffice.org-Lager kam, vertrat die Meinung, nur weil OpenOffice.org sich anfühle wie Windows hätten OOo so einen großen Erfolg. Die Linux-Gemeinde würde sie für den 1:1-Windows-Look dafür hassen, aber das sei das Erfolgsrezept. Als Kompromiss schlug er vor im ersten und zweiten Schritt einer Funktion es ähnlich wie Windows darzustellen, aber beim Dritten schon die Möglichkeit für bessere Wege zu benutzen. So würde man die Hemmschwelle von neuen Benutzern mindern.
Jemand anderes, seinem Englisch-Dialekt nach ein Deutscher, schlug vor unterschiedliche Interface-Ansätze für gleiche Funktionen anzubieten. Ungefähr so, ein 1:1-Windows-like-Style-Interface, ein 1:1-irgendwas und ein GNOME-like-Style-Interface.
Das wäre dann aber weit über das Ziel hinaus geschossen. Dem Benutzer mehrere Wege eine Aufgabe zu lösen in die Hand zu geben ist nicht nur das Geheimrezept für ein gutes Spiel, sondern auch für ein gutes Interface.
Nur Interfaces die dem Benutzer nicht in eine Sackgasse führen, und ich finde einen Kalender der Kalendertage anzeigt, mit denen man nicht das Systemdatum stellen kann als Sackgasse, werden von Benutzern akzeptiert.
Die Folien zum Vortrag können als OpenOffice-Slideshow bei Pete geladen werden. Anna versprach Mitte Juni die Studie zusammen mit den Videos auf desktop-migration.org bereitzustellen.

2 Kommentare
Auf die Videos freue ich mich schon, denn da kann man bestimmt einiges lernen. Wenn ich eine erste Version einer Maschinenbedienung auf die Nutzer loslasse, schau ich mir diese genau an und schreibe mir die probleme auf, die ich dann in der Endfassung behebe. Zum Teil haben sich da Maschinenbediener schon bedankt und es als ungewöhnlich empfunden - sollte aber nicht sein. Schreckliche Bedienungen gibt es bereits genug…
die videos sind raus unter http://www.betterdesktop.org