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Standardzeit vs. Sommerzeit

October 27, 2006

Am Samstag wird um 3.00 Uhr die Uhr um eine Stunde zurück gestellt, auf Standardzeit.
Ich war schon immer ein Gegner der Sommerzeit. Aber erst seit ich mySniper.com habe, offenbart sich mir die Tragweite dieses dämlichen Spielchens, dass zweimal im Jahr auf uns einwirkt.
Die Sommerzeit wurde eingeführt um Strom zu sparen, indem das Tageslicht besser genutzt wird. Im Englischen nennt man sie daher auch Daylight Saving Time (DST).
Laut Wikipedia wurde die Sommerzeit zum ersten Mal in Deutschland eingeführt. Es gab für kurze Zeit sogar eine Hochsommerzeit, bei der die Uhr um zwei Stunden relativ zur Standardzeit vor gestellt wurden.
Neben dem Argument, dass durch die Sommerzeit Strom gespart wird, würden die Abendstunden besser genutzt werden können – zugegeben im Winter ist es doof in der Nacht in die Firma zu gehen und wieder raus zu kommen wenn’s wieder Nacht ist. Da bin ich auch froh, wenn die Zeitumstellung mir ein paar Sonnenstrahlen am Abend beschert. Aber wer braucht im Sommer erst um 23.00 Uhr einen Sonnenuntergang?

Womit wir zu den Gegenargumenten für die Sommerzeit kommen.
Die Sommerzeit stellt die IT vor eine ziemlich kniffelige Herausforderung - und ich spreche da aus eigener Erfahrung. So entstehen bei schlecht programmierten Betriebssystemen beim Zurückstellen auf Standardzeit u. a. Verwirrung bei den Logeinträge, bei denen nicht berücksichtigt wurde, dass in dieser Nacht 2.00 bis 3.00 Uhr zweimal vorkommt.
Ein Anzeigen und Berücksichtigen der Zeitzone beim Sortieren muss zusätzlich programmiert werden - was zugegeben das kleinste Problem ist.
Schwieriger wird’s bei Software die global operiert. Weil jedes Land in seiner Zeitzone seine eigenen Brötchen bäckt, werden Programmierer mit dem Problem konfrontiert, dass z. B. in Deutschland bereits Standardzeit herrscht, während die Westküste der USA noch eine Woche lang in der Sommerzeit befindet. Der zeitliche Unterschied beträgt somit keine neun Stunden, sondern für 6 Tage und 23 Stunden ganze acht Stunden.
Eine konsequente Umrechnung der einen Zeitzone in UTC (aka GMT) kann hier Abhilfe schaffen.
Weitere Argumente gegen die Sommerzeit: Vermehrt Wildunfälle im Frühjahr, weil Tiere sich an den Rhythmus der arbeitenden Bevölkerung anpassen muss; Viele Menschen, darunter ich selber, brauchen immer ewig sich im Frühjahr an den neuen Rhythmus zu gewöhnen; Lebenswichtige Medikamente können nicht anhand der Uhrzeit verabreicht werden, da sie sonst entweder eine Stunde zu früh oder eine Stunde zu spät eingenommen werden.
Und von dem finanziellen Schaden, der durch verpeilte Termine und Software die die Zeitumstellung nicht berücksichtigen, ganz zu schweigen.
Mein Plädoyer: wenn es unbedingt eine Sommerzeit geben muss, dann schlage ich einen Kompromiss vor, der eine Umstellung obsolet macht.
Statt nächstes Frühjahr um eine Stunde vor zu stellen, nur eine halbe Stunde vor stellen und zwar Weltweit und es dann bleiben lassen.

7 Kommentare

Ronnie ·

Hallo lemming,

an nichts sieht man die unsinnige Regulierungs- und Bürokratisierungswut mehr, als an dem von dir geschilderten Unfug mit der Sommerzeit. Jeder kennt die negativen Folgen, dass die erhofften Energieeinsparungen nicht stattfinden ist ebenfalls bekannt, aber einmal eingeführt wird der Bürokratie-Apparat niemals einen Rückzug antreten. Reguliert ist reguliert!

Wenn man sich irgendwann mal entscheidet an einer existierenden Regelung etwas zu “reformieren”, dann wird es hinterher mit mehr bürokratischem Aufwand verbunden sein.

Oh, und wo wir gerade davon sprachen - du hast bestimmt mitbekommen das du für Server-Housing GEZ bezahlen darfst. Na, wenn das Mal kein Standortvorteil für Deutschland ist.

Gruß,
Ronnie

Olaf ·

Ich wäre ja eh dafür dass Zeit in Software nur noch in UTC verarbeitet werden darf, oder sonst dem Programmierer drakonische Strafen drohen!
(Okay, dann müsste ich wohl bei mir anfangen
Aber sonst hatte ich ehrlich gesagt noch nie so intensiv über die Sommerzeit nachgedacht - sondern mich jedes Mal im Herbst darüber gefreut, dass ich ‘endlich mal wieder ausschlafen’ kann…

Gruß,
Olaf

Fred ·

Wir hier an der Westküste der USA am Sonntag nicht umstellen, ist nicht korrekt.

Die Verschiebung von einer Woche gab es beim Einstellen der Sommerzeit im April; nicht aber beim Zurückstellen diese Woche.

martin ·

Selbst wenn in USA am selben Tag umgestellt wird, wird nicht zum selben Zeitpunkt umgestellt. Ob die Umstellung eine Woche früher oder später stattfindet, ist somit vollkommen Wurscht.

Markus ·

Man, gut, das du es gesagt hast. Ich hätte das Mal wieder verpennt mit der Uhrenumstellung.

So ganz kann ich das heutzutage auch nicht mehr verstehen. Jedoch finde ich es interessant, dass die ganze Welt sich an dieses Schema gehalten hat und ihr gefolgt ist. Das hätte ich nun gar nicht mal erwartet.

Die doppelten Uhrzeiteinträge und die dadurch entstehenden Probleme, vor allen bei Ebay, sind echt nervig. Man kann eignetlich nur als Kunde davon entweder profitieren und als Anbieter dadurch nur Gewinn verlieren. Irgendwie ärgerliche Angelegenheit.

bb ·

Die Kerle im DCF77-Sendestudio sollten doch einfach die Länge eine Sekunde ständig dynamisch ändern. Somit könnte man erreichen, daß Sonnenauf- und Untergang jeden Tag um die gleiche Zeit stattfindet und niemand muss sich an die dämliche Zeitverschiebung gewöhnen. Naja, man müsste ein paar Milliarden Uhren vernichten, aber die Tüftler in der Schweiz hätten eine neue Herausvorderung und das boomende Uhrengeschäft würde uns allen ein globales Wirtschaftshoch bescheren und alles wäre gut.

Unrealistisch? Na, komm. Wer hat sich denn den Käse mit dem 12/24/60er System einfallen lassen? Wär doch für alle viel einfacher, eine Minute hätte 100 Sekunden, eine Stunde 100 Minuten, ein Tag 10 Stunden, eine Woche 10 Tage etc. Oder gleich Zweierpotenzen, das würde uns digital denkende Codern doch sehr entgegen kommen. Warum sollen wir unsere Zeit an so alten, abgelutschten Dingen wie Mondphase, Sonnenaufgang etc. festmachen? Der natürliche Tag/Nacht-Rhytmus spielt doch für den urbanen postindustrieellen Homo Sapiens keine Rolle mehr. Hey, wir leben in einer Welt voll klimatisierter Grossraumbüros, Geisterschichten, On-Demand-Whatever, wasweisich-24.de und sollten unsere Zeitrechnung daran anpassen.

Oh, ich merke gerade, ich habe “Genau. Die Zeitumstellung ist blöd.” etwas lange formuliert.

bb ·

Die Kerle im DCF77-Sendestudio sollten doch einfach die Länge eine Sekunde ständig dynamisch ändern. Somit könnte man erreichen, daß Sonnenauf- und Untergang jeden Tag um die gleiche Zeit stattfindet und niemand muss sich an die dämliche Zeitverschiebung gewöhnen. Naja, man müsste ein paar Milliarden Uhren vernichten, aber die Tüftler in der Schweiz hätten eine neue Herausvorderung und das boomende Uhrengeschäft würde uns allen ein globales Wirtschaftshoch bescheren und alles wäre gut.

Unrealistisch? Na, komm. Wer hat sich denn den Käse mit dem 12/24/60er System einfallen lassen? Wär doch für alle viel einfacher, eine Minute hätte 100 Sekunden, eine Stunde 100 Minuten, ein Tag 10 Stunden, eine Woche 10 Tage etc. Oder gleich Zweierpotenzen, das würde uns digital denkende Codern doch sehr entgegen kommen. Warum sollen wir unsere Zeit an so alten, abgelutschten Dingen wie Mondphase, Sonnenaufgang etc. festmachen? Der natürliche Tag/Nacht-Rhytmus spielt doch für den urbanen postindustrieellen Homo Sapiens keine Rolle mehr. Hey, wir leben in einer Welt voll klimatisierter Grossraumbüros, Geisterschichten, On-Demand-Whatever, wasweisich-24.de und sollten unsere Zeitrechnung daran anpassen.

Oh, ich merke gerade, ich habe “Genau. Die Zeitumstellung ist blöd.” etwas lange formuliert.

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