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10.000 Euro zu gewinnen - ohne Chancen

December 23, 2004

Ein gewisser Dipl. Ing. Rolf Jentzsch glaubt einen unknackbaren Chiffrier-Algorithmus entwickelt zu haben. Er ist sich zumindest so sicher das er 10.000 Euro demjenigen bietet der ihn bis Ende nächsten Jahres geknackt hat. Leider veröffentlicht Herr Jentzsch den Algorithmus nicht. Es ist nur ein bereits verschlüsselter Text bekannt.
Dieser Wissensvorbehalt ist unüblich. Ist man von seinem Algorithmus überzeugt, legt man ihn offen. So kann man ihn überhaupt erst richtig auf seine Sicherheit hin überprüfen. Ihn als Sicher zu deklarieren nur weil das Verschlüsselungsverfahren geheim ist, ist unzureichend sicher - siehe WEP.
»Jentzsch’s Verschlüsselungsaufgabe« fordert aber von einem Teilnehmer nicht die Entschlüsselungsmethode preis zu geben, sondern den gefundenen Klartext einzuschicken. Legt man nun dem vorhandenen verschlüsselten Text das One-Time-Pad-Verfahren zu Grunde, so kann man sich einen Text nach belieben aussuchen der dabei heraus kommt. Hat man in Wirklichkeit den richtigen Klartext gefunden behält sich Herr Jentzsch zudem vor:

(…) die Wettbewerbsregeln jederzeit allein zu ändern, ohne Benachrichtigung. Dies schließt das Recht ein, den Wettbewerb zu reduzieren oder auszudehnen, die Preishöhe zu ändern und/oder den Wettbewerb zu beenden. Der Autor ist der entscheidende Schiedsrichter und Administrator dieses Wettbewerbs; das Urteil des Autors und seiner Gutachter ist in allen Dingen des Wettbewerbs endgültig.

und natürlich

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen

Somit kann Herr Jentzsch, nachdem er feststellen musste das sein Algorithmus aus DDR-Zeiten doch nicht unknackbar ist, jederzeit den Contest stoppen oder den Gewinner der sich die Mühe gemacht mit 50 Euro abspeisen.

via Mail von anArchiv

Nachtrag am 24. Dez. 2004: Der Wettbewerb hat nicht einmal das neue Jahr erreicht. Ohne Begründungen zu nennen ist die Seite mit der Aufgabenstellung einfach vom Server verschwunden. Vielleicht ist dem Herrn Jentzsch klar geworden das er ein Verfahren für sich neu erfunden hat das es schon lange gibt. Das o. e. One-Time-Pad. Der Google-Cache hat diesen Witz pflichtgemäß gespeichert.

Nachtrag am 25. Dez. 2004: Der Google-Cache ist nun auch leer. Ich habe zuvor aber noch das PDF das dort zum Laden war gesichert.

1 Kommentar

heptan ·

Die Seite ging offline wegen verschiedenen Unstimmigkeiten, mehr Infos hier: http://www.heise.de/newsticker/meldung/54945

Der Wettbewerb ist neu hier zu finden:
http://www.krypto-sida.de/

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