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Idee: Online-Backup-Systeme

April 03, 2009

Vor kurzem ist an meinem Mac die Festplatte gecrasht. Ich hatte wirklich sehr wichtige Daten darauf, die ich zum Glück alle gesichert hatte, hatte aber trotzdem einen Gap bei den sehr wichtigen Daten (Pages-Dokumente) von einer Woche und bei den immerhin noch wichtigen Daten (Bilder, Musik, etc.) einen Gap von 8 Monaten. Supergau, wenn ich auf diesen Stand zurückgeworfen worden wäre.

Apple geht mit TimeMachine schon den richtigen Weg. Digital Lifestyle sollte auch bedeuten, dass man die digitalen Pendants der obsolet gewordenen Fotoalben auch gefälligst brav sichert. Ein System zur Verfügung zu stellen, dass wirklich der letzte Depp versteht ist hier unabdingbar. Privat wie auch geschäftlich wird Datensicherung und somit Datenrettung vernachlässigt. Ich bin da keine Ausnahme. Laut WiWo würde der Verlust von einer Stunde Kreditkartentransaktionsdaten bei einem Kreditkartenunternehmen ein Schaden von US$ 1,5 Millionen verursachen. Auch für Kleinunternehmer, Fotografen, etc. wäre es an eine Insolvenz hinreichende Katastrophe, wenn alle Daten nur auf einer Festplatte liegen und diese würde crashen oder gestohlen werden.

Um zumindest eine adäquate, private Datensicherung zu haben, wäre ein tägliches Backup, am besten Nachts, wünschenswert. Im Falle eines Falles, wäre nur ein Tag Arbeit zerstört. Das kann man leicht wieder aufholen. Undenkbar, wenn eine Woche, ein Monat, ein Jahr, für immer alles verloren gehen würde.

In einer Gesellschaft die auf dem Weg ist überwiegend digital zu werden, sind Backups das nächste große Ding. Oder vielmehr Datenwiederherstellung denn Datensicherung. Ich kann mich erinnern, dass mir vor laaaanger Zeit Hunter Jerusalem ein Online-Storage-System gezeigt hat, bei dem man, wie nun mit TimeMachine und einer externen Festplatte, seine Daten auf Servern im Internet speichern konnte. Mit zunehmenden Breitbandanschlüssen hat das ein paar etliche Vorteile.

  1. Die Datensicherung ist geographisch getrennt und somit ideal um Diebstahl und Naturkatastrophen zu kompensieren
  2. Die gesicherten Daten sind global verfügbar. Beispiel: Handelsreisender auf der anderen Seite der Welt wird seine Aktentasche gestohlen. Mit einem neuen Notebook kann er innerhalb des gleichen Tages alle seine Daten wiederherstellen
  3. Datensicherung und Datenrettung sind unabhängig von Medien, die wiederum kaputt gehen können
  4. Aus versehen gelöschte Daten können geographisch unbegrenzt wiederhergestellt werden.

Der einzige Nachteil ist, dass man seine wichtigsten Daten jemand Fremdes in die Hand gibt und darauf vertraut, dass dieser keinen Missbrauch damit betreibt.

Ich habe mit einem Kollegen über die Möglichkeiten eines Online-Backup-Systems gesprochen und mit ihm beleuchtet, welche Keyfeatures das System benötigen würde und was es kosten müsste, damit man es als Unterhosen-Business aufziehen kann.

  1. Der wichtigste Faktor ist, dass es nicht aussieht wie eben ein Unterhosenbusiness, sondern wie ein super seriöses Unternehmen, dass sich auf Datensicherung versteht.
  2. Es muss einfach sein. Am besten so einfach wie TimeMachine. Backup, an, aus, inkrementel, komplett.
  3. Es muss eine Versionierung unterstützen.
  4. Es muss nicht nur Daten einfach sichern, sondern sie auch in notime wiederherstellen können. Ein neues Notebook (der beklaute Handelsreisende) darf keine Rolle spielen um alle Daten wieder schnell dorthin zu packen, wo sie zuvor (auf dem alten Notebook) gesichert wurden.

Was sicher auch ein wichtiger Faktor ist, ist die Preisgestaltung. HP hat sich an seinen $US 5,- für unlimitierte Kapazität verschluckt und den Dienst upline.com am 31. März 2009 eingestellt. Gerade einmal ein Jahre nachdem sie gestartet waren. Mein Kollege meinte, man könne die Tarifgestaltung anhand der Sicherheitslevels die das Backup geniest anknüpfen, was meiner Meinung nach ziemlich Bullshit ist, weil eine schwache Verschlüsselung, die dadurch günstig wird, impliziert, dass das Backup unsicher ist. Nicht das was ich will, wenn ich ein Backup im Sinn habe. Vielmehr liegt es nahe den Preis an das Speichervolumen für das Backup zu knüpfen. Dadurch lassen sich auch die Kosten für Server und Hardware kalkulieren und es gibt keine böses Erwachen wie bei Upline.com - für beide Seiten.

Ich denke Online-Datensicherung - oder Online-Datenrettung - wird noch ein riesen Thema und Firmen werden mit zunehmender Bandbreite das Thema für sich finden. Wenn jede Workstation, jedes Notebook, unabhängig von seinem Standort ein einfaches, zuverlässiges und nicht teures (günstig will ich nicht sagen) Backup verfügt, dass auch den Vorteil einer Versionierung besitzt, dann ist das ein wahrer Benefit für Outsourcing-getriebene Firmen sein.

9 Kommentare

paxos · April 3rd, 2009 at 11:56 am

Ich nutze seit längerem Dropbox um meine Arbeitsdaten a) gesichert und b) auf mehreren Rechnern synchron zu halten.

Eine vollwertige Backuplösung ist es natürlich nicht, da nur ein spezifischer Ordner gesyct / gesichert wird, aber auf jedenfall ein Schritt in die richtige Richtung.

Die Möglichkeit, Ordner mit mehreren Leuten zu sharen machts quasi perfekt. Hier im Studium würde ohne mittlerweile gar nichts mehr funktionieren.

Genug der Werbung, hier noch nen Ref-Link (bringt beiden Leuten +250 MB mehr Platz)

https://www.getdropbox.com/referrals/NTYyMzk5

Carsten · April 3rd, 2009 at 12:43 pm

Ich will ja nicht klugscheissen, aber JungleDisk (http://www.jungledisk.com/ ) macht genau das, was Du beschreibst. Nach der Einrichtung werden Verzeichnisse automatisch auf Amazon S3 gesichert. Ok, die Bedienung ist nicht ganz das, was man von Time Machine gewohnt ist, aber sicher kein unüberwindliches Hindernis.

Ich nutze das zwar nicht intensiv, aber z.B. meine (verschlüsselte) Passwortdatenbank habe ich auf dem (verschlüsselten) S3-Bucket liegen.

Moritz · April 3rd, 2009 at 1:59 pm

Online Storage ist wunderbar - aber ich werd mich wohl erstmal keinem mehr anvertrauen und hab auf RAID/FTP System zuhause + DVD Sicherung + Online Storage gesetzt.

http://www.techcrunch.com/2008/07/10/mediamaxthelinkup-closes-its-doors/

letztlich weiss man nie, ob, wie, wann so ein wunderbares, solide finanziertes Startup die Türen schließt und ich dann 4 Wochen habe, mir mir 100.000 anderen Usern meine 80 GB Daten inklusive Verzeichnisstruktur über ein Buggy Web Interface (FTP abgeschaltet, angeblich wegen Belastung) runterzuladen.

Nie wieder.

lemming · April 3rd, 2009 at 3:13 pm

jungledisk und dropbox sind genau das was ich meinte. A) scheint es einen Markt zu geben und b) scheint man noch mit Innovationen gleich ziehen zu können. Besonders gut bei jungledisk ist, dass dort für jedes Gigabyte abgerechnet wird. Schlecht für den Kunden, der dann immer auf die Uhr kucken muss. US$ 9.99 für dropbox zeigt aber auch, dass preislich noch was geht.

lemming · April 3rd, 2009 at 3:18 pm

Moritz! Allerschärfstes Willkommen in meinem Blog. Wusste ja gar nicht, dass jemand von der hp Pleite betroffen war, den ich selber kenne.
Wenn aber jeder 80 GB hoch geladen hat, dann wundert mich es nicht, dass die wegen Performancegründen dicht machen mussten.

cu ton8.

sven · April 3rd, 2009 at 3:41 pm

Die Idee von wua.la ist da ganz interessant, finde ich. Und durch deren Merger mit lacie gibts doch sicher bald NAS-Systeme, die automatisch in die Wolke sichern.

lemming · April 3rd, 2009 at 3:48 pm

sven, der Ansatz gar kein eigenes Speichersystem zu haben, sondern gleich Amazon S3 zu verwenden, finde ich auch sehr interessant.

@Moritz, hab ltheinkup und das hp ding verwechselt.

hendi · April 5th, 2009 at 12:26 pm

Schau dir mal Tarsnap (http://www.tarsnap.com/) an, dort gibt es einen quelloffenen Client der sich um die Verschlüsselung kümmert und dann alles inkrementell zum Server (indirekt S3) überträgt.

lemming · April 5th, 2009 at 11:02 pm

Hi hendi. Allerschärfstes Willkommen im Blog. Danke für den Tipp. Wenn es eine quelloffene Software für den Transfer zu S3 schon gibt, umso besser!

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