20 Jahre Erziehung haben ihre Spuren bei den Anwendern hinterlassen. Kaum eine andere Branche hat so gutmütige Kunden wie die IT. Man stelle sich diese Verhältnisse in anderen Branchen vor, wie zum Beispiel bei der Automobilindustrie. Autos die wohlwissentlich fehlerhaft ausgeliefert werden. Autos an denen während der Fahrt noch herum gebastelt wird. KFZ-Mechaniker die mit einem Achselzucken das ständige Absaufen eines frisch vom Band gelaufenen Wagens kommentieren. Ist halt so. Schulterzucken auf beiden Seiten.
Ich spreche da aus eigener Erfahrung. Mich wundert es immer wieder, was Kunden alles mit sich machen lassen. Mit einer Engelsgeduld warten sie der Dinge die da funktionieren sollen. Es hat sich die Mentalität eingebürgert dass es normal ist, dass Computer - oder viel mehr Software - Fehler haben.
Woher kommt das? Das Hauptproblem ist die Software. Nichts lässt sich leichter zusammen schreiben als Software. Ohne Ahnung von der Materie kann man schon nach wenigen Stunden Resultate erzielen. Diese niedrige Hürden sind es die uns das Leben mit schlechter Software schwer machen. So viele nehmen diese Hürden ohne zu wissen was sie eigentlich wirklich tun. Dadurch dass wir keine andere Möglichkeit haben, als schlechte Softare zu akzeptieren, weil es fast nur schlechte Software gibt, schafft diese Toleranz die es in der IT gibt.
Da sich das ganze schon seit 20 Jahre so abspielt, hat nur einen Grund. Entwickler bauen auf bereits bestehenden Dingen auf. Bauen sie ihr Fundament auf einer schlechten Basis wird ihr komplettes Programm wackelig. Sie müssen daran herum docktern um die Fehler der voran gegangenen Programmierer der Basis auszubessern. Dieses Flickenwerk ist dann wiederum das Fundament für andere Programmierer. Inklusive der Fehler die wiederum neu eingebaut wurden.
Eine ausreichende Sorgfalt in der Programmierung wird durch knappe Budgets und eng gesetzte Abgabetermine behindert. Der Vorteil bei Software ist, dass man Updates noch nach reichen kann. Etwas was bei BMW oder Daimler Millionen kosten würde, beansprucht in der IT nur die Zeit und die Nerven der Kunden. Und die sind es ja schließlich gewöhnt.

6 Kommentare
Wenn man bedenkt, das die Automobilindustrie über 100 Jahre alt ist, so hinkt der Vergleich. Die ersten 70 Jahre hat man an seinem Auto auch noch rumschrauben müssen. Erst in den letzten 10-15 Jahren wurde das Auto so perfektioniert, das zumindest wenig daran zu machen ist und lange hält. Die Softwareentwicklung steckt noch in den Kinderschuhen und die zur Zeit knappen Budgets machen es nicht gerade besser. Oft bleibt für Dokumentation dann garnichts mehr übrig…
Da gabs doch mal diesen tollen Vergleich: http://alt.venus.co.uk/weed/humour/gm.htm
3. Occasionally your car would die on the freeway for no reason. You would have to pull over to the side of the road, close all of the windows, shut off the car, restart it, and reopen the windows before you could continue. For some reason you would simply accept this.
Und das ist das was ich gemeint habe, Frank. Die Autoindustrie hat am Anfang sicherlich auch Fehler gemacht. Autos waren damals unzuverlässig und fehlerhaft. Das was heute die IT auch ist. Leider kann ich nicht sagen ob man der Automobilindustrie, in ihren Anfängen, auch soviel Toleranz entgegen gebracht hat. Ich denke aber nicht.
Vielleicht denke ich die Sache doch ein bisschen Falsch. Ich hatte gerade ein sehr interessantes Gespräch mit einer Kollegin.
Sie meinte dass es auch daher kommen könnte, dass Menschen - auch durachaus Intelligente - eher an sich selber zweifeln, als an der Maschine.
Der Computer ein übersinnliches und unerklärliches Mysterium.
Diese These wird auch von vielen meiner Beobachtungen gestützt. Wird der Rechner eines Kunden vor dessen Augen aufgeschraubt, so sind sie zumeist entsetzt darüber, dass in diesem Kasten kein pulsierendes schwarzes Loch ist das waltet und schaltet.
Ja, die Leute suchen die Schuld immer zuerst bei sich. Mein Software-Engineering Professor erklärte uns dass wir seit dreißig Jahren in einer Software-Krise stecken. Damals hat die Software die Hardware noch optimal ausgenutzt. Heute ist die Hardware hundertmal leistungsfähiger. Ein Computer leistet aber trotzdem nicht das was hundert Computerarbeitsplätze damals leisten konnten. Die Software nutzt die Hardware nicht optimal und ist voller Fehler. Das war nicht immer so.
Hat doch was, wenn das Lenkrad heute mal links, morgen rechts und übermorgen hinten mittig angeordnet ist…
Grüße