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Debian

May 04, 2005

Debian LogoDie Serie zur Klärung der Computergeschichte geht weiter.
Das Linus Torvalds mit der Entwicklung seines freien Kernels, Linux, ein großer Wurf gelang, weiß mittlerweile jeder, der eine Tageszeitung lesen kann. Weniger bekannt sind die Leute die sich hinter Linux und für die GNU/GPL verdient gemacht haben. Ein nicht unerheblicher Anteil fällt dabei auf die Distributoren zurück. Wie z.B. die SuSE GmbH (Software und Systementwicklung) die mit der gleichnamigen Linux-Distribution bekannt wurde und kürzlich von Novell geschluckt wurde.
Natürlich gibt es noch mehrere Distributoren wie Mandrake und RedHat die alle ihren Beitrag zu Linux beigesteuert haben. Ein Distributor fällt dabei besonders auf. Debian.
Am 16. August 1993 wurde Debian von Ian Murdock ins Leben gerufen. Eine 100% nicht kommerzielle Linux-Distribution. Der Name Debian setzt sich aus Ian und Debra, den Namen von Murdocks Frau, zusammen. Murdock leitete das Projekt sechs Jahre. Unter seiner Führung entstanden fünf Releases ab Version 1.0.
Was Debian so gewaltig von anderen Distributoren unterscheidet, ist die autokratische Struktur mit der es arbeitet. Alle paar Jahre oder bei Bedarf, werden Wahlen durchgeführt.
Jeder Entwickler darf wählen und darf sich für ein Amt aufstellen lassen.
Die Struktur, trotz dessen das sie demokratisch gewählt ist, ist autokratisch. Über allem steht der Debian Project Leader (DPL), der das Projekt nach aussen hin repräsentiert und nach innen zusammen hält. Derzeit ist Branden Robinson DPL. Er wurde anfang diesen Jahres nach mehreren vergeblichen Kandidaturen gewählt.
Ihm folgt ein technischer Ausschuß, ein Schriftführer, die FTP-Master (die letztendlich die Release-Pakete schnüren), eine Dokumentationsabteilung, eine CD-Abteilung, verschiedene Computer-Architekturabteilungen und Entwickler die sich auf Sicherheit spezialisiert haben - um hier nur eine Hand voll zu nennen.
Um Debian-Entwickler zu werden, muss man sich beim Begrüßungskomitee bewerben. Das Komitee entscheidet dann darüber ob jemand Debian-Entwickler wird oder nicht.
Trotz dieses gewaltigen Verwaltungsappartes hat es Debian geschafft in den knapp zwölf Jahren seines Bestehens erfolgreich zu sein. Keine andere Distribution hat soviele Derivate (AFAIK über 200). Ubuntu und Knoppix sind z.B. die Bekanntesten.
Debian bietet immer drei Releases parallel an. Da gibt es die »stable«. Diese gilt, von Entwicklerseite aus, als Stabil. Für sie sind Sicherheitsupdates und Patches in wenigen Stunden nach bekannt werden eines Bugs vorhanden. Dann gibt es noch »testing« und »unstable«. In »unstable« landen alle neuen Entwicklungen. Bewähren sie sich nach mindestens zehn Tagen landen sie in »testing«. Wenn die Release-Manager der Meinung sind, eine neue Version wäre in »testing« herangereift, wird »testing« eingefroren - »freezed«. Nur noch wichtige Änderungen wandern dann in diesen Entwicklungszweig. Nach einer gewissen Zeit wird aus »freezed« »stable«. Der Kreislauf beginnt dann von neuem.
Die Releases bekommen immer Spitznamen, die Charakteren des Films »Toy Story« von Pixar entliehen sind. Buzz, Rex, Bo, Hamm, Slink, Potato, Woody (stable) und Sarge (freezed). Der »unstable«-Zweig wird Sid genannt, nach dem Kind von Nebenan, das alle Spielzeuge kaputt macht.
Derzeit sind am Debian-Projekt über 1.000 Entwickler aus der ganzen Welt beteiligt.

3 Kommentare

kju ·

Nein, die wahren Namen der verschiedenen Stufen lauten stale, rusting und broken. Und das sage ich als Debian-Entwickler (der sich für die Langsamkeit von Debian ehrlich schämt).

lemming ·

Du bist Debian-Entwickler? Wow, wie bist du denn dazu gekommen?

martzell ·

Das ist ja ein richtig guter Entwicklungsprozess, wie man ihn sonst nur von großen kommerziellen Softwareherstellern kennt.

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