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DSL-Kolchose

May 30, 2006

18.56 Uhr. Der Zug fährt gerade in den Bahnhof ein – er hat eine Minute Verspätung. Das erste Abteil bleibt direkt vor mir stehen - fast wie abgemacht. Die Türe öffnet sich und ein Mann mit einem hellen Anzug und einem Aktenkoffer steigt aus. Hinter ihm steht ein Mann. Das muss er sein. Er sagt »Thilo?«. Ich antworte »Hallo, du bist der Antennenmann?«.
»Ja, hier ist alles.«
Er gibt mir eine Tüte mit der Ware. Ich stecke ihm 75 Euro zu.
»Der Rest ist für dich, danke«
»Kabel usw. sind dabei«
Die Türe schließt sich wieder und ich gehe den Bahnsteig entlang. Der Mann mit dem hellen Anzug steht da und beobachtet mich argwöhnisch. Fast wie bei Columbo, denke ich.
Trennung.
Diese kleine Anekdote habe ich heute in dem kleinen Kaff in dem ich wohne erlebt. In der Tüte waren natürlich keine Designerdrogen, sondern zwei Richtfunkantennen die ich über einen netten Kontakt im Internet gekauft habe. Eine Antennen werde ich an mein Dachfenster montieren und die andere auf das Hausdach meines Nachbarn (der DSL hat).
Mein Heimatort ist zweigeteilt. In Ost und West. Nachdem der Osten schon lange Jahre DSL hat, hat nun auch der Westen Schritt für Schritt DSL-Leitungen gelegt bekommen. Jede Menge Bürgerinitiativen und -begehren haben endlich Wirkung gezeigt und das Dorf konnte komplett versorgt werden. Naja, nicht ganz. Gräßlicherweise geht direkt durch die Mitte des Dorfes eine Linie die die Gemeinde teilt. Die armseligen Menschen die auf dieser Linie wohnen, bekommen kein DSL. Dämpfung zu hoch: 50db.
In einem von Google Maps geklauten Luftbild habe ich die Grenze eingezeichnet. Die Bewohner in der grünen Fläche haben DSL und die Bewohner in der roten haben keins.

Gott sei’s gedankt dass es noch Nachbarschaftshilfen gibt. Manifestiert in Form einer DSL-Kolchose.
Um wieder den roten Faden zu finden. Eben jene Kolchose verhilft mir via zweier Richtfunkantennen zu DSL (siehe Luftbild, blaue Linie, ich wohne rechts in der DSL-losen Zone). Bilder von der Installation und einen Testbericht gibt es im Laufe der Woche.

13 Kommentare

Centurio ·

Hui, also ich bin auf jeden Fall über Photos vom Aufbau und so gespannt. Ist echt schon ne Schweinerei, wenn deine ganze Nachbarschaft DSL hat und du selbst nicht.

Ein Kumpel von mir wohnt hier ziemlich auf dem Dorf, fast schon in Holland. Der hat nur deswegen DSL bekommen, weil jemand aus der Verwandschaft Techniker ist und ihm das Mal freigeschaltet hat. Er hat aber auch wirklich das sehr langsame DSL mit 350kbit Down oder so, also die Hälfte vom früheren 768 DSL Anschluss, muss dabei aber dennoch die vollen DSL Anschlussgebühren zahlen.

Aber immerhin: Internet unbegrenzt haben gleicht den Geschwindigkeitsnachteil aus

lemming ·

Mein Nachbar hat auch nur das DSL light. Dämpfung ist bei 46db, afair. Dennoch schafft er irgendwas mit 480kbit downstream. Beim Upstream ist die Dämpfung sogar gar nicht mal so schlecht.
Mir geht es bei DSL eigentlich nur an zweiter Stelle um die höhere Geschwindigkeit. An erster Stelle steht die Flatrate. Mit ISDN wird man echt arm. Insbesondere wenn drei Leute zu unterschiedlichen Zeiten darüber surfen. Da nützt auch eine 90h Psoido-Flatrate für wahnwitzige 50 Euro/Monat nichts.

Peter ·

Ein Bekannter von mir benutzt SkyDSL. Der wird seines Lebens auch nicht mehr glücklich. Wohl dem, der gesegnet ist.

lemming ·

SkyDSL? Dann hat er sich von einem Telekomiker beschwatzen lassen. Das bringt’s nur wenn man auch selber einen Uplink-Kanal hat. Bei einem Rückkanal via ISDN zahlt man ja sonst doppelt.

Die Latenzzeiten sind ja dann auch noch mit UMTS vergleichbar. Also bei 350ms.

lemming ·

Interessant dass es hier heftig viele Adsense-Werbung für Rechtshilfe bei Nachbarschaftsstreit gibt. Da wird Kolchose wohl kaum der Trigger sein.

paxos ·

Ohjee, ich hatte fast zwei Jahre lang skyDSL - nie wieder!

Die Technik ist ziemlich für den Arsch, läuft alles über Proxy und war meistens saularm - und natürlich teuer wie nix!

Ich hab mich damals mit AOL-2 Monate kostenlos Keys über Wasser gehalten.

Gott sei dank hab ich nu DSL (light).

Bin gespannt ob das bei dir funktioniert, mit dem Gedanken spielte ich damals nämlich auch.

Angels ·

Dann erhoffe ich doch mal demnächst einen ausführlichen Testbericht. Wenns geklappt hat, werde ich ja direkt an deiner Onlinepräsenz sehen - Und möge die Götter dir gnädig sein und keine Blitze in die Antennen jagen.

lemming ·

Das wirst du dann sehen, jap. Endlich 24/7 online sein. Ein Traum wird (mal wieder) war.

Die Antenne wird vom Blitz nie getroffen. Eher semmelt der Blitz in den Schneefänger, die Dachrinne oder in das Gestell vom Glasdach. Und auch dann nur, wenn er den Stromverteiler auf der anderen Seite der Straße komplett ignoriert

kju ·

Bei T-”DSL” über Satellit gibts mittlerweile aber auch eine Variante bei der der ISDN-Rückkanal flat abgerechnet wird.

lemming ·

Kann man das mittlerweile auch sharen? Früher ging das nur mit einer hässlichen Windows-Software an einem Rechner via USB.

Uwe Keim ·

Der beste Blitzableiter ist der auf dem Haus des Nachbarn!

Peter ·

Uwe, sag das Mal dem Blitz…

ths ·

bei uns auf’m Dorf ist die Welt auch zweigeteilt ;(
drei Häuser weiter vorn gibt es DSL light, und ich habe 5 J. lang kein DSL bekommen :(((

Vor zwei Monaten ging es dann wundersamerweise doch. Mein DSL-modem erzählt mir zwar 58 db Dämpfung, aber das passt nicht mit der Datenrate von 1188 zusammen, die das Modem mir zeigt. Der Download bringt auch immer knapp über 100 KB/sec., was ich absolut ok finde.

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