
Die Serie zur Klärung der Computer-Geschichte geht weiter. Microsoft erfand nicht als erster eine Tabellenkalkulation. 1979 arbeitete die kalifornische Firma Software Arts an einem Produkt namens VisiCalc für den Apple II. Ein Produkt mit dem das Industrie-Zeitalter der Computer hereinbrach. Mit VisiCalc konnte man zum ersten Mal Tabellenkalkulationen durchführen. Formeln schreiben und Ergebnisse berechnen lassen. VisiCalc war für viele Firmen überhaupt erst der Grund sich eine EDV anzuschaffen. Die Idee zu VisiCalc hatte Daniel Bricklin in seiner Studentenzeit. Er erklärte sie seinem Freund Bob Frankston der mit ihm die Firma Software Arts gründete. Frankston hatte einen Apple II auf dem beide begannen ihre Ideen, gemalt auf Skizzen, in Assembler zu verwirklichen.
Als die erste Version fertig war konnte man mit VisiCalc wunderbar rechnen, aber niemand wusste das. Das bewies Daniel als er über Nacht eine fünf Jahres Gewinn/Verlust-Prognose für die Firma Pepsi aufstellte und sie seinem Professor vorstellte. Dieser war begeistert wie rasch Daniel die Aufgaben lösen konnte. Dan Fylstra, Chef von Personal Software übernahm den Vertrieb und bewarb VisiCalc in der damaligen Computer-Zeitschrift »Byte«. Sie erschien auf einer 1/8 Seite großen Anzeige: »VisiCalc - How did you ever do without it?«. Gute Frage, aber was VisiCalc konnte verriet die Anzeige nicht. Die Verkäufe blieben aus.
Im Mai 1979 lud Personal Software einige ausgewählte Personen zu einer Demonstration von VisiCalc und anderer Software in das West Coast Computer Faire in San Francisco ein. Dort traf Daniel Bricklin zum ersten Mal auf Dave Winer. Er stellte im selben Raum seinen Outliner VisiText vor (Ein anderes Mal mehr davon). Beide hatten eine Software die die IT-Welt revolutionieren konnte. Aber nur einer von beiden hat es geschafft. Hätte Benjamin Rosen, von Morgan Stanley, nicht damals einen Artikel über VisiCalc geschrieben indem er es als die Killer-Applikation schlechthin beschrieb, sondern über VisiText, würden wir heute unsere Projekte so selbstverständlich in Microsoft Outliner planen wie wir Tabellen und Diagramme in Excel erstellen.
Benjamin Rosen, einer der wichtigsten Personen in der IT damals schrieb:
So who knows? VisiCalc could some day become the software tail that waqs (and sells) the personal computer dog.
Daniel und Bob zogen in einen Keller unterhalb einer anderen Software Firma und vollendeten ihren Code. Die ersten fünf Disketten verschickte Daniel an sehr frühe Kunden. Die Etiketten beschrieb er noch von Hand. Die erste echte Verkaufsversion (1.37) kam mit einem Lederetuit in dem alle Disketten waren und dazu die zehn Referenzkarten.
Die Absatzzahlen schnellten in die Höhe. Die kleine Firma zog in einen Bürokomplex in Cambridge um. VisiCalc wurde auf weitere Systeme portiert, darunter auf den Apple III, TRS-80 m2 und m1, Commodore PET CBM-80, HP 125, Atari 800 und auf den IBM PC. Letzteres brachte der Firma neben dem Verkauf von Apple II Versionen einen weiteren Schub. Personal Software nannte sich um in VisiCorp und verklagte im September 1983 Software Arts, die wiederum zurück klagten. Der Streit endete 1984 in einem Vergleich. VisiCorp wurde ohne die Software VisiCalc aufgelöst. Software Arts wurde an Lotus verkauft. Dort wurde das Know-How für das erfolgreiche 1-2-3 spreadsheet verwendet.
VisiCalc kann als MS-DOS Version die noch unter Windows XP funktioniert auf der Webseite von Dan Bricklin geladen werden.

5 Kommentare
Ach, das waren Zeiten, als Programme noch komplett in Assembler geschrieben wurden…
Gibt es heutzutage eigentlich noch solche Leute? Würde mich echt mal interessieren. (wahrscheinlich nur im Embedded Bereich)
Nun, Business-Anwendungen schreibt man nicht mehr in Assembler. Ausser vielleicht Teile von Datenbank-Software. Der Performance halber.
Von der Spieleschmiede id Software weiß ich, dass die noch Assembler verwenden.
Meiner einer kann zwar mit Delphi ebenfalls noch in Assembler programmieren, es beschränkt sich aber nur auf sachen wie das ändern von JE zu JP oder NOP.
Och in Assembler programmieren schon noch etliche Menschen So entwickelt derzeit Prodatron auf einem alten Schneider / Amstrad CPC eine Windows-ähnliche Gui in z80. Unglaubliche Leistungen nach 20 Jahren, die die Hardware schon auf dem Buckel hat.
http://www.prodatron.net/gfx/symbos/screenc.gif
Faszinierend. Das Hintergrundbild von Pam hatte ich auch mal. Was man mit vier optimierten Farben so alles anstellen kann.
Ich finde das was daniel bricklin erfunden hat ja eigentlich okay , doch wegen ihm wurde meine mama arbeitslos und hat sich umgebracht , da sie die tabellen immer noch mit den alten methoden kalkulieren musst . als dann alles moderner wurde , wurde sie arbeitslos , und hatte dann bald auch kein geld mehr . mich gab sie zum zoo , wo ich als vermeintlicher affe großgezogen worden bin . die moral :::::: nicht alles was schneller und einfacher ist ist auch wirklich besser ………………………