Die Serie zur Klärung der Computer-Geschichte geht weiter. 1983 entwickelte Susan Kare die erste Schriftart für das Mac OS. Es war der erste Font der auch als System-Font Verwendung fand, Chicago. Zunächst hies Chicago Elefont, die darauf folgenden Schriften wurden nach den Haltestellen einer Zugverbindung in Philadelphia, mit der Susan Kare und Andy Hertzfeld früher öfters fuhren, benannt. Overbrook, Merion, Ardmore und Rosemont. Steve Jobs kam eines Tages an dem Zeichnerbüro vorbei und fragte was das für Namen wären. Die Schriften nach Städte zu benennen sei OK, aber wenn dann nach Weltstädten und nicht nach kleinen Dörfern die niemand kenne. So wurden die Schriften umbenannt in Chicago (Elefont), New York, Geneva, London, San Francisco, Toronto und Venice.
Chicago war die Systemschrift von Mac OS bis einschließlich Version 7. Also etwas mehr als 12 Jahre lang. Danach wurde sie vom Platinum-Look (Mac OS 8 + 9) abgelöst. Der wiederum durch die Aqua-Oberfläche in Mac OS X abgelöst wurde. Carbon-Programmierer waren von Apple bis Mac OS X angehalten ihre Programme an Chicago anzupassen, da die neuen Systemfonts an das Größenverhältnis von Chicago abgestimmt waren.
Mit der Veröffentlichung des iPod und iPod mini feierte Chicago in leicht abgeänderter Form ein Revival als Systemschrift. Doch das nur kurz, denn mit Chicago geht es zu Ende. Der neue iPod photo verwendet nicht mehr Chicago sondern Myriad. Wenn man bedenkt das es sicherlich irgendwann nur noch iPods mit Farbdisplays gibt, wird Chicago mit den letzten s/w iPods endgültig aussterben.

12 Kommentare
Ich denke, man muss um die Cicago nicht trauern. Sie wirkte so technoid und achtziger Jahre-mäßig, dass man froh sein kann, sie los zu sein. Auf dem Bildschirm ging das noch in Ordnung, aber gedruckt?
Ja gedruckt gefallen mir Schriften mit Serifen sowieso besser.
Nostalgisch gesehen ist es der Dienstälteste Computer-Font der Welt. Manch einer hat 12 Jahre oder länger tagtäglich mit ihm gearbeitet. Ich werde ihn vermissen.
Chicago stirbt ja nicht, die Schrift geht nur in Rente. Wir können sie alle im Schriftordner jederzeit noch besuchen. Und mal schauen, in 5-10 Jahren feiert sie vielleicht ein Comeback
Ich habe noch keinen iPhot podo in der Hand gehabt: ist die Myriad denn gut auf dem Bildschirm zu lesen?
Die Frage ist: wird die Myriad auch auf dem unter Aqua Einzug halten oder bleibts erst mal bei der Lucida Grande?
Chicago gehört zur Gattung der Grotesque-Schriften. Das sind besonders gut lesbare Schriften die absolut geometrisch sind. Kennt man von Straßenschildern. Eignet sich gut für kurze Bezeichnungen.
@martzell:
Grotesk-Schriften müssen nach DIN 16518 keineswegs geometrisch, sondern lediglich (weitestgehend) endstrichlos sein.
@burned:
Mit der Lucida haben Herr Bigelow und Frau Holmes eine Schriftsippe entwickelt, die an Flexibilität kaum zu überbieten ist, während sich Adobes Myriad zu Adrian Frutigers nach ihm benannten Klassiker verhält wie Monotypes Arial zu Bertholds Akzidenz-Grotesk oder Max Miedingers Linotype.
Bedauerlicherweise sind aber die serifenlosen Schnitte der Lucia für Displaygrößen aus ästhetischen Gründen kaum zu gebrauchen, so dass Apple diese Schrift nicht für Verpackungen oder Web-Präsentationen verwenden wollte.
Eine Vereinheitlichung zugunsten der Myriad auch als Hauptschriftart der Benutzeroberfläche halte ich für denkbar und sinnvoll, falls keine berechtigte Kritik von den Nutzern des iPod Photo laut wird.
@frank:
Die Chicago feiert bereits ein Comeback nach dem nächsten.
@lemming:
Die Chicago ist sicher nicht der dienstälteste Computer-Font der Welt, wenngleich wohl der erste unter typografischen Gesichtspunkten entwickelte.
Interessant daran ist aber, dass bereits 1968 die erste maschinenlesbare Schriftart entwickelt und 1973 als Standard festgelegt worden ist und Adrian Frutiger zeitgleich eine typographisch anspruchsvollere Variante für diesen Zweck entwickelt hatt — zu einem Zeitpunkt also, an dem man froh war, überhaupt ein Datensichtgerät zu besitzen und somit nicht jede Ausgabe mittels Lämpchen, Lochkarte und Drucker erfolgen musste.
Aber da wir gerade beim Thema sind: Wer entwickelte wohl die erste nicht fest auf dem Drucker installierte Postscript-Schriftart? Kleiner Tipp dazu: Wir schrieben das Jahr das Jahr eins des Macintosh.
Also die Myriad macht auf dem iPod photo eine sehr gute Figur. Dies wird natürlich von dem vorzüglichen Display untermauert.
1984, Apple? Xerox? Ich habe keine Ahnung. Also es muss Apple sein. Xerox hat mit seinem Alto zwar auch schon Schriftarten gekannt, aber das letzte Mal wurden die glaube ich beim Xerox Venturas Publisher eingesetzt, 1994 - afaik. Bitte um Aufklärung.
Zu den Strassenschildern. Die Amerikaner haben die doch erst vor kurzem ihr Straßenschilderschrift geändert. Besser lesbar und hübscher soll sie nun sein. Aber es ist weder die Myriad noch die Chicago.
Woher stammt die Information bezüglich der Straßenschilder und ist das dort überhaupt landesweit geregelt? Die meines Wissens einzige durchgängige Beschilderung, nämlich die der Highways, erfolgte jedenfalls bisher mittels der Interstate von Font Bureau. Die wurde dann auch von den Niederlagen für diese Zwecke übernommen — und von Viva Plus, Karstadt, …
Zur Postscript-Schrift: Die genannten Lösungen wären ja sehr naheliegend — zu naheliegend. Möchtest du noch ein wenig raten, oder soll ich es tatsächlich verraten?
Ich habe es in Gerrits Blog gelesen. Die Schrift heisst Clearviewhwy. Ich habe es nicht erraten? Dann rate ich noch einmal. NEC, HP, IBM, Oki oder KODAK?
Herzlichen Dank für die Information — ein Meta-Clone also. Das Original wurde ja für ähnliche Zwecke entwickelt.
Zur ersten nicht-integrierten Postscripts-Schrift: Die richtige Lösung lautet — trara: Casady & Greene, altgedienten Mac-Nutzern heute sicher bekannter durch Programme wie Conflict Catcher etc. und inzwichen leider spurlos vom Markt verschwunden. Die Abküzung CG wie in CG Times weist aber übrigens nicht auf diesen Hersteller hin, sondern auf Compugrphics. Welche Schriften Casady & Greene seinerzeit entwickelt hat, ist mir leider nicht bekannt. Vielleicht werde ich das einmal heraussuchen, wenn ich etwas Zeit dafür finde.
Übrigens: Ich hatte mich gerade gewundert, die Zahlenkombination des Captchas wiedererkannt zu haben, als mich deine Software darauf aufmerksam gemacht hat, dass die Zahl nicht gültig sei. Nach mehreren Versuchen wurde die die alte Grafik dann wohl aus meinem Browser-Cache geschmissen und durch eine gültige ersetzt.
Ok, nachdem sich schon zwei gemeldet haben, habe ich reagiert und das Cachen des CAPTCHAs indirekt unterbunden. Ich rufe das Image nun mit einem Parameter auf: captcha.php?20050105134236
Es wird zwar gespeichert, wird aber nicht wiederverwendet.
Durch die Verwendung von Jahr, Monat, Tag, Stunde, Minute, Sekunde sollte eigentlich ein doppelter CAPTCHA unmöglich sein.